Ärztezentren

Versorgt werden wie ein Privatpatient

Hier wird der Patient wie ein Kunde und nicht wie ein Bittsteller behandelt. Kranke warten nicht länger als 15 Minuten auf den Arzt.

Zur "Business-Sprechstunde" in der Mittagszeit wird der Patient innerhalb von einer halben Stunde medizinisch behandelt und bekommt noch einen Pausensnack mit auf den Weg. In dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) namens MediPlaza an der Leipziger Straße in Mitte wird Service großgeschrieben. "Es gibt keinen Grund mehr, drei Stunden bei einem Arzt zu warten", lautet die Leitlinie von Marc Kurepkat, Vorstand der MediPlaza AG. Das Ärztezentrum hat im Juli 2008 eröffnet. Zwölf Mediziner unterschiedlicher Fachrichtungen wie Allgemeinmedizin, Kinderheilkunde, Gynäkologie oder Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde arbeiten auf 1600 modern eingerichteten Quadratmetern. "Hier soll sich jeder als Privatpatient fühlen", sagt Kurepkat.

Die Ärzte sind angestellt wie in einer Klinik. Im Gegensatz zu Krankenhausärzten behandeln die MVZ-Ärzte aber nur ambulante Patienten. Das MVZ in der Leipziger Straße ist mittlerweile das 132. seiner Art in der Hauptstadt.

Wie Pilze sind diese neuen Ärztezentren aus dem Boden gesprossen, seitdem die Bundesregierung 2004 die Bildung solcher Polikliniken der neuen Generation ermöglicht hat.

Doch diese neuen Ärztehäuser, die ein Mix aus Kliniken und Arztpraxen sind, finden nicht alle toll. Vor allem die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin ist skeptisch. "Durch die MVZs wird die flächendeckende, wohnortnahe ambulante Versorgung der Berliner zerstört", moniert KV-Sprecherin Annette Kurth. Wie Staubsauger verschluckten die MVZs die Arztsitze. Um ein Ärztezentrum mit unterschiedlichen Disziplinen öffnen und Kassenpatienten behandeln zu können, müssten die MVZ-Betreiber Arztsitze aufkaufen. Das hat auch MediPlaza gemacht - Kassenarztsitze in Tiergarten, Mitte, Schöneberg und Weißensee aufgekauft, die dort nun fehlen. Die viel gelobten kurzen Wege für die Patienten gibt es zwar im Ärztezentrum. Für andere Patienten könnten die Wege zum ambulanten Doktor aber länger werden. Ein weiterer genereller Kritikpunkt: Der Patient wird im MVZ nicht unbedingt von seinem, sondern von irgendeinem, gerade diensthabenden Arzt behandelt, ähnlich wie in einer Klinik.

Fraglich ist darüber hinaus, ob die MVZs wirtschaftlich erfolgreich sind. Nach Angaben Kurepkats behandeln die zwölf MediPlaza-Ärzte 2000 Patienten im Monat. Ein MVZ-Arzt versorgt etwa 450 gesetzlich Versicherte im Quartal. Zum Vergleich: Eine Arztpraxis hat etwa 800 bis 1000 Patienten, die mindestens einmal im Quartal kommen.

Dennoch werden MVZs von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) protegiert, vielleicht, um die Kosten in der ambulanten Medizin zu regulieren.

Immerhin profitieren erstmals Kassenpatienten. Das Atrio-Med in Mitte, das erst kürzlich öffnete, hat sich auf die Behandlung von Patienten der Techniker Krankenkasse (TK) spezialisiert. Sie sollen dort exklusiv versorgt werden - ähnlich wie Privatpatienten.