Körperverletzung

BMW-Fahrer tritt Fußgänger und schlägt ihm ins Gesicht

Armin H. wollte eigentlich nur beschwichtigen. Das war sein Fehler. Der Kameramann aus Bremen war am 5. März vergangenen Jahres geschäftlich in Berlin unterwegs und lief gegen 13.15 Uhr über den Mehringdamm in Kreuzberg.

Als er sich schon auf der Straße befand, schaltete die Fußgängerampel auf Rot. Armin H. und einige Passanten liefen in normalem Tempo weiter. Sehr zum Unwillen des Fahrers eines schwarzen BMW mit getönten Scheiben, der mit hohem Tempo aus der Yorckstraße um die Ecke bog, angesichts der Fußgänger scharf bremste und langanhaltend die Hupe betätigte.

Armin H. bekam einen Schreck, blieb kurz stehen und senkte beschwichtigend die Hände. Später wird der 32-Jährige erkennen, "dass diese Reaktion genau die Falsche war". Freunde aus Berlin hätten ihm gesagt, dass man in Kreuzberg mit Gesten besser sparsam umgeht, statt dessen, Blickkontakte meidend, unauffällig weiter läuft. Aber das wusste er noch nicht an jenem 5. März. Der Fahrer des BMW gab Gas und fuhr auf den erschrockenen Armin H. zu. Der versuchte, zur Seite zu springen, wurde an der Hüfte vom Seitenspiegel leicht touchiert, kam aus dem Gleichgewicht und klatschte mit der Hand auf die getönte Windschutzscheibe.

Wenig später, Armin H. passierte inzwischen die erste Fahrbahn der Yorckstraße und wartete auf der Fußgängerinsel auf Grün, bekam er einen heftigen Tritt in den Rücken. Er stürzte auf die Straße. Bremsen quietschen. Autos blieben stehen. "Als ich mich aufgerappelt habe", erinnert sich Armin H., "stand vor mir ein Mann südländischen Aussehens, wild gestikulierend und laut schimpfend". Er versuchte erneut, zu beschwichtigen, wieder mit flachen Händen, die er sacht hob und senkte. Und erneut erfolglos. Der BMW-Fahrer schlug ihm ins Gesicht. Armin H. stürzte, erlitt eine Platzwunde an der Wange, die wenig später von einem Notarzt geklammert werden musste.

Zu diesem Zeitpunkt war der BMW-Fahrer längst über alle Berge. Doch es gab eine Reihe Augenzeugen. Einige notierten sich die Nummer des BMW. Er gehörte - wie spätere Ermittlungen ergeben - einer Türkin aus Neukölln. Die gab an, den Wagen am Tattag ihrer Mutter überlassen zu haben. Diese bestätigte das. Die Zeugen indes fanden unter sechs Passfotos von jungen Männern südländischer Herkunft sofort den 25-jährigen Mohamed K. heraus. Ebenfalls wohnhaft in Neukölln. Und Ehemann der Eigentümerin des schwarzen BMW.

Knapp zehn Monate später leugnete Mohamed K. in einem Prozess vor einer Moabiter Verkehrsrichterin seine BMW-Fahrt vom 5. März nicht mehr. Er gab zu Protokoll, Armin H. und weitere Passanten hätten die Fahrbahn bei Rot betreten, seien betont langsam gelaufen, hätten herumgealbert und seien schließlich sogar mitten auf der Fahrbahn stehen geblieben. "Ich habe mich provozieren lassen", sagte er zerknirscht. "Ich weiß, das ist nicht gut." Mohamed K. hat Lehrgänge zu diesem Thema absolviert. Der Hartz-IV-Empfänger ist genau genommen ein Fachmann für Deeskalation und arbeitet in seinem Bezirk für 1,50 Euro pro Stunde offiziell als Kiezstreife. Geschlagen haben wollte er dann auch nur, um einem Angriff des angeblich bedrohlich auf ihn zukommenden Armin H. vorzubeugen. Und wegen der Beleidigung: "Der hat das Auto angespuckt."

Als ihn der Nebenklagevertreter fragte, ob er sich Gedanken über Schadenswiedergutmachung gemacht habe, präsentierte er eine weitere Theorie: Armin H. habe den Verkehrskonflikt bewusst provoziert und sich niederschlagen lassen, "um nun ein fettes Schmerzensgeld zu kassieren".

Die Richterin verurteilte Mohamed K. wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1400 Euro. Zudem wird ihm der Führerschein entzogen. Erst nach 18 Monaten darf er beantragen, ihn zurück zu bekommen. Und vorher, das scheint sicher, muss er den "Idiotentest" machen.