Sicherheit

Falsche E-Mail sorgt für Unruhe bei der Polizei

Eine gefälschte E-Mail hat bei Polizisten in Berlin und Brandenburg für erhebliche Unruhe gesorgt. In dem Schreiben warnt ein angeblicher Polizeidirektor vor Attacken von Neonazis auf Kollegen.

Die E-Mail wurde deutschlandweit über die Landeskriminalämter offenbar ungeprüft verbreitet - erst jetzt identifizierte sie der Berliner Staatsschutz mit erheblicher Verzögerung als Falschmeldung.

"Der Vorsitzende zur 'Rettung arischen Blutes in Deutschland' (...) hat nun ein verbal-symbolisches Kopfgeld auf Polizisten und deren Ehefrauen ausgesetzt", heißt es in der Mail. Es sei die "Ehre eines jeden Rechten und Nationalisten, einen 'Bullen' oder dessen Ehefrau zu plätten." Der Autor, ein gewisser Polizeidirektor Adalbert Spahn, verweist auf den Messerangriff auf den Passauer Polizeichef Mannichl und berichtet von sechs ähnlichen Attacken im Bundesgebiet. Drei Skinheads seien nach einem Messerangriff auf Polizisten in Trier festgenommen worden; bei ihnen habe man "eine Adressenliste von zwanzig Streifenpolizisten und zehn Kriminalbeamten" gefunden.

Danach zitiert der E-Mail-Schreiber einen Gewerkschafter der Polizei, der in einem Presseartikel bestätigt, dass Polizisten jetzt im "Visier der Rechten" seien. Auch lässt der Verfasser angeblich das Bundeskriminalamt (BKA) zu Wort kommen: "Seit Jahresbeginn ist es die neue Strategie, direkt gegen Polizisten vorzugehen." Der angebliche Polizeidirektor empfiehlt am Ende allen Kollegen eine Auskunftssperre beim Einwohnermelde- und Straßenverkehrsamt.

Ungeprüft weiterverbreitet

Innerhalb nur kurzer Zeit verbreitete sich die Rundmail vor Weihnachten bei fast allen Polizeibehörden der Länder - als "Informationsaustausch in Staatsschutzsachen". Niemand hatte die Ernsthaftigkeit des Inhalts oder den Absender überprüft. Oder zumindest Warnhinweise als Anhang hinzugeschrieben. "Mit zwei oder drei Anrufen hätte man die Mail bereits als Fälschung überführen können", sagt ein Berliner LKA-Beamter, "doch unkommentiert las sie sich wie eine Warnung." Zumal sie über den offiziellen Behördenweg in die E-Mail-Postfächer gelangte. Die Landeskriminalämter schickten sich die Mail als sogenanntes "Fernschreiben" gegenseitig zu, in Beamtenkreisen wurde sie heimlich kopiert und privat versand. Erst später wurde klar: Es gibt weder eine "Aktion zur Rettung arischen Blutes" noch einen Polizeidirektor Adalbert Spahn oder Razzien, bei denen Listen mit Adressen entdeckt wurden.

Die Berliner Polizei hat - knapp drei Wochen später - offiziell auf die Rundmail reagiert: "Die geschilderten Sachverhalte (...) entbehren definitiv jeglicher Grundlage", schreibt ein Staatsschützer an alle Kollegen. Bei der Mail handele es sich offensichtlich um eine Falschmeldung, einen sogenannten "Hoax", womöglich aus Bayern. "Von einer weiteren Verbreitung wird daher abgeraten."