Gesundheit

Ambulante OP-Zentren stehen vor dem Aus

Berliner Kassenpatienten müssen sich künftig darauf einstellen, für ambulante Operationen ins Krankenhaus zu gehen. Laut Kassenärztlichem Verband Berlin (KV) und dem Landesverband ambulanter Operateure Berlin (LAO) könnten die etwa 1000 ambulant operierenden Ärzte Berlins nicht mehr kostendeckend arbeiten.

Grund sei, dass die Berliner Krankenkassen die Förderung der nicht stationären Eingriffe zu Jahresbeginn gestrichen haben. "Die ambulanten Operationen stehen vor dem Aus", sagt der LAO-Vorsitzende Ansgar Pett. "Und dem Patienten wird das Recht auf eine freie Wahl eines Arztes genommen."

Niedergelassene Mediziner konnten bisher ihre Patienten in einem der 20 Operationszentren in Berlin selbst operieren, mussten sie nicht an ein Krankenhaus überweisen. Ihr Honorar setzte sich aus einem Grundbetrag und der Förderung der Krankenkassen zusammen. "Die Honorare, insbesondere für hochwertige, ambulante Eingriffe, wie beispielsweise die OP nach einem Leistenbruch oder die Entfernung einer Gebärmutter, sinken nun um durchschnittlich zehn Prozent", sagt Pett. Da etwa 80 Prozent des Honorars für Betriebskosten eingeplant werden müssten, lohne sich die ambulante Operation kaum noch. Dabei würde eine gleichwertige Operation in der Klinik einen mehrtägigen Aufenthalt nach sich ziehen und deshalb bis zu fünfmal mehr kosten. Pett weist außerdem darauf hin, dass die Kliniken die drohende Versorgungslücke unter Umständen nicht schließen können werden.

OP-Zentrum muss schließen

Christel Stoeckel-Heilenz vom ambulanten Operationszentrum in Spandau spürt die Auswirkungen der Neuregelung schon kurz nach dem Jahreswechsel. In den drei OP-Sälen der Einrichtung werden pro Tag etwa 30 Patienten behandelt. "Gestern waren es nur zehn", sagt die Anästhesistin. Die Nachfrage der 35 Ärzte, die tageweise am Zentrum arbeiten, sinke rapide. "Meine 15 Kollegen und ich wissen nicht, ob wir das Zentrum künftig finanzieren können", sagt Stoeckel-Heilenz. Die Geräte seien auf dem Stand der neuesten technischen Möglichkeiten, erst kürzlich hatte sie ein Endoskopiegerät für 60 000 Euro angeschafft. Seit 1989 stellt sie den Operateuren ihre Geräte zur Verfügung und versorgt die Patienten vor, nach und während der Operation, sodass diese nach Hause entlassen werden können.

Krankenkassen nicht in der Pflicht

Die Krankenkassen Berlins weisen jedoch gemeinsam darauf hin, dass die Grundhonorare der Berliner Ärzte gestiegen seien, da für 2009 im Rahmen einer bundesweiten Regelung weitere 120 Millionen Euro bewilligt worden seien. "Davon sind rund 3,5 Millionen Euro für ambulante Operationen vorgesehen", sagt die Sprecherin der AOK, Gabriele Rähse, stellvertretend für alle Krankenkassen Berlins. "60 Prozent der Leistungen ambulanter Operateure werden besser honoriert als zuvor."

Deshalb sehen sich die Krankenkassen nicht mehr in der Pflicht. "Die KV hätte die zur Verfügung stehenden Gelder besser verteilen müssen oder den Bedarf während den Verhandlungen im November anmelden sollen", sagt Gabriele Rähse. Denn das sei die Aufgabe des Verbands.

Die Krankenkassen seien für ihre Patienten da und würden, sollte sich ein praktischer Arzt weigern, den benötigten Eingriff vorzunehmen, gern einen geeigneten Mediziner vermitteln. "Auch Krankenhäuser nehmen komplizierte Eingriffe ambulant vor", sagt Rähse. Doch diese entsprächen nicht immer der medizinischen Qualität in einem ambulanten Operationszentrum. "Sowohl Infektions- und Nachblutungsrisiko sind hier geringer", sagt Christel Stoeckel-Heilenz.