Medizin

Hat Berlin zu wenige Kinderärzte?

Der Gang zum Kinderarzt gestaltet sich in manchem Kiez schwieriger als in anderen. So müssen Eltern mit kranken Kindern im Bezirk Neukölln mitunter länger auf einen Termin warten als Familien in Charlottenburg-Wilmersdorf. Denn in Neukölln betreut, statistisch gesehen, ein Kinderarzt mehr als 12 200 Patienten.

In Charlottenburg-Wilmersdorf hingegen gibt es gerade mal 8800 Patienten pro Kinderarzt. Ähnlich verhält es sich auch in Reinickendorf (etwa 14 200) und Steglitz-Zehlendorf (8800). Spitzenreiter bei den gut versorgten Bezirken ist Pankow, dort gibt es laut Kassenärztlicher Vereinigung Berlin einen Kinderarzt für 8600 Einwohner.

"Bei allen Fachärzten ist eine Verschiebung von Ost nach West, von den ärmeren Bezirken zu den reicheren, zu beobachten", sagt die Berliner Patientenbeauftragte Karin Stötzner. In manchen Stadtteilen, gerade in sogenannten Problemkiezen, führe das "zu einer Unterversorgung".

Dr. Ulrich Fegeler, Kinderarzt in Wilhelmstadt und Sprecher des Landesverbandes der Ärzte für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, bestätigt diese Beobachtung: "Diese Bewegung hat es gegeben." Er spricht von "einer Ausdünnung der Peripherien". Mit dem seit 1. Januar geltenden neuen Verzeichnis, nach dem die ambulanten ärztlichen Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden (Einheitlicher Bewertungsmaßstab, EBM), lohne sich die Flucht aus Problemvierteln aber finanziell nicht mehr. "Jetzt wird nach Patientenzahl bezahlt - und nicht mehr nach Krankenkasse."

Bislang konnten Mediziner an Patienten, die privat oder bei bestimmten Krankenkassen versichert waren, mehr Geld verdienen als an anderen. "In die reicheren Stadtteile zu ziehen macht jetzt ökonomisch keinen Sinn mehr", sagt Dr. Fegeler.

Grund zur Sorge gibt es also nicht. Auch wenn der Weg in manchem Kiez weiter ist als in anderen - eine echte Unterversorgung gibt es in Berlin nirgends. Der Versorgungsgrad, also das Verhältnis von Arzt zu Einwohnern, liegt im Durchschnitt berlinweit bei immerhin 138 Prozent. 100 Prozent sind erfüllt, wenn es einen Kinderarzt für 14 000 Einwohner gibt. Zurzeit darf sich deshalb kein zusätzlicher Kinderarzt hier niederlassen.