Denkmäler

Generäle für den Zietenplatz

Sie waren die Schmuckplätze des historischen Berlin - der Zieten- und der Wilhelmplatz. Wo heute Tschechiens Botschaft steht, lockte bis zum Zweiten Weltkrieg das Hotel "Kaiserhof". In fußläufiger Entfernung standen die Palais der Wilhelmstraße.

Im Bombenhagel des Krieges ging all dies unter. Nun erhalten die Plätze einen Teil der alten Pracht zurück.

Nachdem die zwischen Mauer- und Wilhelmstraße gelegene Doppelplatzanlage bereits im April 2008 eröffnet wurde, sollen dort nun auch die Standbilder der preußischen Generäle von Winterfeldt, von Seydlitz, von Keith und von Schwerin aufgestellt werden. Damit ist das Ensemble der bronzenen Standbilder wieder komplett, denn auf dem Wilhelmplatz stehen bereits die Denkmäler des "alten Zieten" (Husarengeneral Hans-Jochim von Zieten) und des "Dessauers" (Leopold von Anhalt-Dessau).

Noch kurz vor dem Jahreswechsel gossen Handwerker an der West- sowie Ostseite des Zietenplatzes jeweils zwei Sockel für die Statuen der Feldherren. Im Moment werden die überlebensgroßen Standbilder in der Bildgießerei Kraas in Kreuzberg auf Hochglanz gebracht. Mitte des Jahres sollen die Generäle nach Mitte folgen.

Immerhin 63 Jahre mussten die Kunstschätze in einer Lagerhalle des Landesdenkmalamtes in Friedrichsfelde darauf warten. Durch hartnäckige Spendenakquisition war es der Schadow-Gesellschaft Berlin e. V. gelungen, in kurzer Zeit mehr als 300 000 Euro für die Restaurierung aufzutreiben. "Allein drei Sponsoren haben 220 000 Euro aufgebracht", sagt Schadow-Geschäftsführer Klaus Gehrmann.

Zu den Initiatoren der Wiederherstellung des Platzes gehört der stellvertretende Leiter der Berliner Denkmalbehörde, Klaus von Krosigk. Er unterstützt seit Jahren die Schadow-Gesellschaft Berlin. So war von Krosigk führend daran beteiligt, dass der Zietenplatz wieder zum Schmuckstück werden kann.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hatte 2005 mit entsprechenden Zusagen gesichert, dass das Gelände zwischen der Landesvertretung von Thüringen und Nordkoreas ehemaliger Botschaft in der Mohrenstraße ab 2006 saniert werden konnte. "Die historischen Vorlagen waren bei der Neugestaltung des Platzes ausschlaggebend", sagt von Krosigk. Mit ihr wurde auch die ursprüngliche städtebauliche Sichtachse vom Hausvogteiplatz bis zum Wilhelmplatz wiederhergestellt. Ebenfalls nachgeahmt wurden die historischen Straßenschilder. Die Kosten: rund 1,5 Millionen Euro.

Der Zietenplatz (1849 Exerzierplatz des gleichnamigen preußischen Generals) ist ein Ableger des ursprünglichen Wilhelmplatzes, der zu den ältesten Plätzen Berlins gehörte. Hier standen die Bronzefiguren der sechs Generäle seit 1800. Die Rote Armee entfernte sie. Zu DDR-Zeiten war der Platz nach Ernst Thälmann benannt.

Neben der Senatsbauverwaltung trug die Schadow-Gesellschaft einen wesentlichen Anteil an der Verwirklichung der Pläne des Landesdenkmalamtes. So wurden mit ihrer Unterstützung bereits in den vergangenen drei Jahren die historischen Standbilder der preußischen Generäle Hans-Joachim von Zieten (1699-1786) und Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau (1676-1747) auf dem Platz aufgestellt. Die Finanzierung hatte die Schadow-Gesellschaft übernommen.

In der Bildgießerei Kraas wird indes mit Hochdruck an der Restaurierung der noch fehlenden Feldherrenstandbilder gearbeitet. "Die vielen Jahre im Depot haben doch mächtig Spuren hinterlassen", sagt Gießereigeschäftsführer Klaus-Dieter Schaar. Mit einer feierlichen Zeremonie will die Schadow-Gesellschaft Berlin die Statuen im Sommer schließlich auf dem Zietenplatz präsentieren.

Mehr Fotos von den Statuen der Generäle unter www.morgenpost.de/berlin