Medizin

Berliner Firma ruft Prothesen zurück

5303 künstliche Hüftgelenke wurden im vergangenen Jahr bei den Berlinern implantiert, doch immer wieder kommt es zu Materialfehlern. Die Patienten sind meist ahnungslos, bis die Prothesen brechen.

Nun musste auch eine Berliner Firma ein schadhaftes Hüftprothesensystem zurückrufen. Der Grund: Drei künstliche Hüftgelenke sind gebrochen.

Die Tempelhofer Firma "aap Implantate AG" hat am 30. September 2008 die für Medizinprodukte zuständige Bonner Bundesbehörde, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), darüber informiert, dass aap die Lieferung des "modularen VarioFit Hüftprothesensystems mit Konusadapter" aussetzt, weil Hüften gebrochen sind. Warum die Prothesen kaputt gingen, kann die Medizinprodukte-Firma nicht sagen. Alle Kliniken, die solche Prothesen auf Lager haben, wurden in dem Schreiben an das Bundesinstitut aufgefordert, diese Gelenke an die Berliner Firma zurückzuschicken.

900 Prothesen an 30 Kliniken

Nach Angaben von aap-Vorstandsmitglied Bruke Seyoum Alemu habe die Berliner Firma insgesamt 900 dieser Prothesensysteme an bundesweit 30 Kliniken verkauft. Wie viele dieser Kunst-Hüften implantiert wurden, könne er nicht sagen. Nach dem Rückruf hätten die Kliniken neun Hüften zurückgeschickt. Die Ursache des Schadens sei unklar. "Wir lassen ein Gutachten erstellen. Wir wissen nicht, ob es ein Material-, ein Anwendungs- oder ein Komplikationsfehler war", so Alemu. Da die Bruch-Ursache nicht feststehe, seien auch die Patienten, die solche Hüften tragen, nicht informiert worden. "Wir wollen eine Verunsicherung der Patienten vermeiden", begründet Alemu. Man könne "keine Nachsorgeempfehlung geben", heißt es im Schreiben an das Bundesinstitut. Zwei der Patienten, bei denen die Gelenke gebrochen sind, hätten Schadensersatzforderungen gestellt. Da die aap Implantate AG die Prothesen nur vertreibe aber nicht herstelle, müsse der Fremdhersteller für das Produkt haften, so Alemu. Die aap Implantate AG ist mittlerweile die vierte Medizinproduktefirma, die mangelhafte Hüftprothesen zurückrufen musste (die Berliner Morgenpost berichtete). Die betroffenen Patienten wurden in der Regel weder von den Herstellern noch von den Kliniken über die Bruchgefahr informiert.

"Nach meiner Auffassung müssen die betroffenen Patienten gewarnt werden", betont der Berliner Medizinrechtsanwalt Jörg Heynemann. Heynemann vertritt Betroffene, bei denen fehlerhafte Prothesen gebrochen sind oder brechen könnten. Der Anwalt fordert die Einführung eines jedermann zugänglichen Implantatregisters, in das auch Brüche einfließen sollen.