Stadtplanung

Streit um "Walk of Fame" am Potsdamer Platz

Bis zur Berlinale 2010 soll Berlin einen "Boulevard der Stars" am Potsdamer Platz bekommen. Ähnlich dem weltberühmten "Walk of Fame" in Hollywood sollen Legenden des Deutschen Films auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Straße gewürdigt werden.

Etwa 60 Gestaltungsvorschläge von Künstlern, Architekten und Designern wurden im Rahmen eines jüngst beendeten Wettbewerbs der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eingereicht. Angestoßen hat das Projekt der Verein der Freunde und Förderer des Filmmuseums Berlin.

Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein, wie ein Sprecher bestätigt. Zunächst werde man mit den Künstlern "ergebnisoffene Gespräche" führen. Oberstes Ziel dabei laut Senatsverwaltung: "eine kostengünstige Variante". Hintergrund der Sparpolitik ist auch die sensible Planungssituation für das Areal. Denn dort, wo künftig Filmlegenden wie Billy Wilder, Michael Ballhaus oder Marlene Dietrich gewürdigt werden sollen, sehen langfristige Planungen den Bau einer Straßenbahntrasse vor. Bereits im September 2007 hatte das Abgeordnetenhaus die Straßenbahnpläne befürwortet und den Senat aufgefordert, das Projekt "planerisch vorzubereiten".

Planungsstopp gefordert

Entsprechend lautstark melden sich nun die Kritiker des "Boulevard der Stars". Der Fahrgastverband Igeb fordert einen "sofortigen Planungsstopp". Igeb-Vize Jens Wieseke befürchtet, dass der Bau des Filmdenkmals der "Todesstoß" für die Pläne zur Verlängerung der Tram vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz wäre.

Er stützt sich dabei auf Formulierungen aus der Wettbewerbsausschreibung, die das Projekt als dauerhafte Einrichtung beschreiben: "Der Boulevard der Stars ist keine einmalige Angelegenheit, sondern ein über viele Jahre wachsendes und im Prozess befindliches Kunstwerk", heißt es dort. "Jahr für Jahr sollen circa zwölf Film- und Fernsehschaffende gewürdigt werden." Bislang hatte die Senatsverwaltung stets betont, dass mittelfristig keine Realisierung der Tram geplant sei, dass zukünftige Verkehrsprognosen dem Bau in zehn Jahren aber neue Chancen eröffnen könnten.

Wieseke spricht nun von einer "verkehrspolitischen Geisterfahrt" des Senats und kündigt "massiven Widerstand" an. "Uns stört nicht die Sache, sondern der Ort", sagt er. Es gebe durchaus alternative Standorte, etwa bei der Umgestaltung im Bereich des Kulturforums zwischen Potsdamer Platz und Philharmonie. Statt den Tram-Ausbau auf Jahre zu verschieben, sieht er schon jetzt gute Perspektiven für die geplante Strecke und verweist auf eine aktuelle Studie der Technischen Universität (TU). Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass eine Tram-Verlängerung sogar bis Steglitz aus verkehrspolitischer Sicht "höchst sinnvoll" sei. Sie rechnen mit bis zu 40 000 Fahrgästen täglich und prognostizieren für die BVG jährliche Mehreinnahmen von etwa vier Millionen Euro.

Die Gesamtkosten für den Ausbau bis Steglitz beziffert die TU-Studie auf 110 Millionen Euro. Sie könnten im Rahmen des angekündigten Konjunkturprogramms zu großen Teilen vom Bund kommen, glaubt Claudia Hämmerling, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus: "Deshalb wäre es dumm, jetzt eine andere Nutzung festzuklopfen."