Infrastruktur

CDU fordert neues Logistikzentrum

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Rainer L. Hein und Steffen Pletl

Berliner U-Bahntunnel müssen dringend gesichert werden. "Es ist kurz vor zwölf", warnt der Bauexperte des Bezirksamtes Mitte, Harald Büttner. Nach Berechnungen und Beobachtungen seiner Behörde würden in mehreren Bezirken Straßenschäden über U-Bahntunneln "erschreckend zunehmen".

Büttner: "Dies führt zwangsläufig zu Rissen in den Tunneldecken der Bahn und könnte im Extremfall Einsturz bedeuten." Erste Sicherungsarbeiten sind bereits angeordnet. Allerdings bestehe kein Anlass zur Panik.

Auslöser des Problems ist der Lkw-Verkehr, der täglich über die Hauptstadtstraßen rollt und ständig zunimmt. Um weitere Schäden abzuwenden, werden noch in diesem Monat an den gefährdeten Stellen rund um den Hausvogteiplatz, der Straße des 17. Juni/Höhe Klopstockstraße und im Bereich Leipziger/Friedrich-/Markgrafen-/Charlottenstraße Straßenerneuerungen über den Tunneln der U-Bahnlinien 2, 6 und 9 vorgenommen.

Schwachstellen auch in Tempelhof

Als weitere Schwachpunkte wurden die Bereiche rund um den U-Bahnknotenpunkt von U 2 und U 6 ausgemacht. So wird es noch in diesem Jahr Straßenverstärkungen im Areal Glinka-/Friedrich-/Charlottenstraße geben. Auch am Frankfurter Tor in Friedrichshain (U 5) und am Tempelhofer Damm (U 6) wurden Schäden entdeckt und sollen beseitigt werden.

Wegen des Problems der Lkw-Transporte in der Innenstadt fordert Joachim Zeller, Vizebürgermeister von Mitte und stellvertretender CDU-Landesvorsitzender: "Der Senat muss ein schlüssiges Konzept vorlegen. Da hilft nur ein Logistik-Zentrum in Citynähe, um den Schwerlastverkehr auf kurze Wege zu bringen." Er erinnerte daran, dass der ehemalige Güterbahnhof der Deutschen Bahn in Wedding und der nahe gelegene Nordhafen das ideale Gelände für den Güterumschlag gewesen wären. "Zu Mauerzeiten galt das als optimaler Standort für ein Logistik-Zentrum." Durch die Verlagerung nach der Wende ins Umland, etwa nach Schönefeld, sei der falsche Weg eingeschlagen worden.

BVG ist besorgt

Auch bei der BVG sieht man die Entwicklung mit Sorge. "Gerade die Altbautunnel sind Belastung ausgesetzt", bestätigt BVG-Sprecher Klaus Wazlak. Allerdings würden die zuständigen Tunnelexperten die Deckenbelastung ständig kontrollieren. Zudem stehe man mit den Bezirksämtern und dem Senat im Austausch und würde auf Schäden reagieren. "Trotzdem beobachten wir die wachsenden Belastungen der Straßen über dem Streckennetz sehr aufmerksam", so der Sprecher. Eine entsprechende Regelung und Beschränkung für Schwertransporter im Bereich der U-Bahntunnel wäre nötig. Dieser Meinung sind auch die Verkehrsexperten der Berliner Polizei. Nach ihren Beobachtungen hat die Zahl der Schwerlasttransporte auf der Stadtautobahn mit Zufahrten zum innerstädtischen Bereich im vergangenen Jahr um 18 Prozent zugenommen. Seit Öffnung der A 113 im vergangenen Jahr würden viele Lkw die Stadtautobahn nutzen, um durch die Metropole zu kommen.

Der ADAC sieht sich damit in seiner Befürchtung bestätigt, dass die City nicht mehr über den Berliner Ring umfahren werde. "Die Belastung der U-Bahn-Tunnelröhren wird so extrem gefördert", heißt es.

Die Verwaltung für Stadtentwicklung der Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) sieht keinen Handlungsbedarf. "Das sind Aufgaben der Bezirke und der BVG", sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Die meisten Straßen im Berliner Kernbereich sind nur für Lkw bis maximal 20 Tonnen ausgelegt; die Hauptstraßen bis 30 Tonnen. Nach einer neuen EU-Verordnung sollen noch in diesem Jahr sogenannte Giga- und Megaliner mit 60 Tonnen Gesamtgewicht für den Straßenverkehr auch in Europa freigegeben werden.