Guerilla Stores: Modische Geheimtips

Erlebnis Einkaufen. Jetzt wird Einkaufen zur Revolution. Oder zumindest die Location. Sie hat einen griffigen Namen: Guerilla Store. Seit kurzem avanciert der Begriff in Fashionkreisen zum neuen Zauberwort. Die Großstadt wird zum Dschungel und abseits der ausgetretenen Pfade etablierter Kaufhaus-Giganten und luxuriöser Flagshipstores von Gucci, Prada und Co. findet eine neue Generation von Szeneläden in Berlin ihre Käufer. Das Konzept: wenig Aufwand in die Ausstattung stecken und Nachfrage über nur kurz andauernde Öffnungszeiten schaffen. Dazu Designermode und ein wenig Flüsterpropaganda in den richtigen Kreisen.

Bestes Beispiel ist der Guerilla Store des japanischen Edellabels Commes des Garcons, an der Chausseestraße 124 in Mitte. In der früheren Brecht-Buchhandlung, gleich neben dem Bertolt-Brecht-Haus, wird teure Designermode in äußerst puristischem Ambiente dargeboten. Die Kleidung hängt an alten Wasserrohren oder wird auf Umzugskartons ausgestellt, von den Wänden bröckelt der Putz. Die gelb gestrichenen Möbel stammen vom Flohmarkt - alles in allem war die "Renovierung" keine 3000 Euro teuer. "Entscheidend sind die Aura des geschichtsträchtigen Ortes und natürlich die Produkte selbst", erklärt der Managing Direktor, Christian Weinecke.

Nachdem in den 90ern die Modewelt, mit ihren Supermodels und Edelgeschäften, immer perfektionistischer wurde, kein Geschäft ohne luxuriöse Einrichtung auskam, machte sich Langeweile im Business breit. "Man hatte das Gefühl, daß teilweise die Verpackung besser ist, als das Produkt", erinnert sich Weinecke. Das Konzept des Comme des Garcons Stores wurde von der Gründerin des Labels, Rei Kawakubo, und ihrem Mann, Adrian Joffe, entwickelt. Bei ihrem ersten Berlin-Besuch waren sie vom Gestaltungswillen der Stadt begeistert.

Innerhalb von nur sechs Wochen entwickelte sie die Idee für die Berliner Dependance: ein Geschäft, das nur für ein Jahr bestehen bleiben darf, billig ist und etwas abseits liegt. Ein Geheimtip also, den man suchen, ja erobern muß. Trotz des Erfolges wird der Laden Mitte Februar kommenden Jahres wieder geschlossen. "Nur so kann eine kreative Weiterentwicklung stattfinden", sagt Weinecke.

Das Konzept der Guerilla Stores basiert auch auf einem bewußten Verlust der Kontrolle. "Jahrelang wurde in der Modewelt alles perfekt geplant. Hier gibt es noch Platz für Eigeninterpretation und Kreativität", meint Architekt Weinecke.

Etwas weniger subtil, aber dennoch nicht minder erfolgreich arbeitet der MTV Pop-Up-Store. Zwar wird für das Geschäft deutlich mehr Werbung, vor allem im Internet, in U-Bahnhöfen und Modemagazinen gemacht, dafür ist der Zeitrahmen aber noch knapper angelegt. Lediglich zwischen sieben und zehn Tage hat der mobile Trendladen nacheinander in vier deutschen Metropolen geöffnet.

Auch die Lage der kurzlebigen Läden unterscheidet sich von Comme des Garcons: Man setzt auf bekannte Trendgegenden, wie das Scheunenviertel in Hamburg und die Kastanienallee in Prenzlauer Berg. "Man muß bedenken, daß wir nur wenige Tage Zeit haben, um von den Kunden entdeckt zu werden", erklärt Nadja Horn, Juniorkundenberaterin bei der betreuenden PR-Agentur Häberlein und Mauerer.

Im Angebot sind exklusive Stücke von adidas, Levi's, Sony, Ericsson und MTV. Eine bunte Mischung aus Musik, Mode und Lifestyle. Besonders gefragt sind die Stücke aus der MTV-Designerama Kollektion, die von jungen deutschen Designern als Einzelstücke gefertigt werden. So viel Exklusivität hat natürlich ihren Preis: So kostet die - natürlich streng limitierte - goldene Levi's-Jeans stolze 500 Euro.

Das Konzept wurde schon im vergangenen Jahr erfolgreich in einem alten Berliner Sanitätshaus umgesetzt. "Der Erfolg gibt uns Recht. Nicht umsonst sind wir in diesem Jahr wieder präsent", sagt PR-Beraterin Horn. In Berlin ist der Laden bereits wieder geschlossen, nächste Station ist Hamburg. Von Berlin aus wird der Guerilla-Trend weiter getragen: Comme des Garcons hat bereits angefangen, weitere Stores in Warschau, Singapur und Helsinki zu eröffnen.

So werden sich künftig wohl mehr und mehr trendige Großstädter auf der Suche nach neuen Guerilla Stores und dem ultimativen Shoppingerlebnis in Hinterhöfen und Abrißhäusern treffen.