Und es blitzen die Sterne...

Eine Karriere lang liegen wir ihnen zu Füßen. Um sie zu ehren, schaffen wir kleine Denkmäler. Um uns ihrer zu erinnern, blicken wir ehrfurchtsvoll auf sie herab. Seit 1960 rühmt Amerika seine großen Stars aus Film, Fernsehen und Show mit goldglänzenden Sternen auf dem "Walk of Fame" von Los Angeles. Was sich zum Touristenmagnet auf dem Hollywood Boulevard entwickelte, soll nun auch eine Attraktion in der deutschen Kinohauptstadt werden: ein "Boulevard der Stars" für die großen Sterne von Film und Fernsehen im neuen Stadtzentrum, am Potsdamer Platz.

Das Projekt ist eine Idee der Freunde und Förderer des Filmmuseums Berlin und steht nach mehrjähriger Vorbereitung nun vor der Realisierung. Heute kommt in Berlin die Jury zusammen, die aus vier Vorschlägen eines Wettbewerbs den besten Entwurf für die Gehwegplatten heraussuchen soll; am Dienstag werden der Sieger (und die anderen Vorschläge) der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Erinnerungsboulevard soll den prominenten Künstlern vorbehalten sein, die das deutschsprachige Kino in 100 Jahren hervorgebracht hat; aber auch Plaketten für Fernsehpersönlichkeiten sind vorgesehen.

Die britische Rockband The Kinks hat den Helden des Entertainments und den Sternen des "Walk of Fame" 1976 den Song "Celluloid Heroes" gewidmet. "Manche erkennst du sofort, von anderen hast du noch nie etwas gehört, es sind Menschen, die für ihren Ruhm geschuftet, gedarbt und gekämpft haben, einige haben ihr Ziel erreicht, andere versanken in Leid ..." Dabei huldigte Sänger Ray Davies Greta Garbo und Rudolph Valentino, Mickey Rooney und Marilyn Monroe: "If you walk down Hollywood Boulevard, their names are written in concrete".

Wirklich in Beton geschrieben freilich sind nur die ganz großen Säulenheiligen der US-Unterhaltung. Ihr Tempel ist der Vorplatz des imposanten Grauman's Chinese Theatre. Hier liegt die Urzelle des "Walk of Fame". Hier finden sich jene legendären Bodenplatten mit Autogrammen, Hand- und Fußabdrücken von Clark Gable und Shirley Temple, Judy Garland und Cary Grant, Jean Harlow und Bing Crosby. Ja, selbst Filmcowboy Roy Rogers ist in Zement verewigt - inklusive der Hufabdrücke seines Pferdes Trigger. Mehr als 170 Bodenplatten sind vergeben, der Platz vor dem Kino wird knapp. Entsprechend groß ist die Ehre, hier verewigt zu werden. In den letzten Jahren kamen Harrison Ford und Eddie Murphy, Michael Keaton und auch Regisseur George Lucas dazu - letzterer gemeinsam mit Darth Vader und den "Star Wars"-Robotern R2D2 und C3PO.

Links und rechts des Grauman-Kinos erstreckt sich der eigentliche "Walk of Fame". Mehr als 2000 Bronzesterne sind in den Bürgersteig zu beiden Seiten des Hollywood Boulevards eingelassen - mit dem Namen des Stars und einer von fünf möglichen Kategorien: Film, TV, Schallplatte, Radio, Theater. Die erste, die mit einem Stern geehrt wurde, war am 9. Februar 1960 Schauspielerin Joanne Woodward. Zuletzt ging der Stern mit der Nummer 2257 an Zeichentrick-Ente Donald Duck, passend platziert vor dem Kino El Capitan und dem Disney Store. Pro Jahr kommen etwa 20 bis 25 neue Sterne hinzu. Nur einer hat es übrigens geschafft, mit fünf Sternen geehrt zu werden: der singende Cowboy Gene Autrey.

Längst hat das Beispiel von Los Angeles Schule gemacht. In Florida gibt es einen "Walk of Fame" der Raumfahrer, in St. Louis einen für Bluesmusiker, in Las Vegas einen für verdiente Showstars, vor dem Berliner Friedrichstadtpalast wird verdienten Revuegrößen gehuldigt. Und selbst Bonn leistet sich einen "Walk of Fame" - mit beleuchteten Bodenplatten von Beethoven bis Adenauer.

Nun wird auch Berlin um eine Attraktion reicher werden. Noch sind die Kandidaten für einen Berliner Stern streng geheim. Die ersten zwölf Namen unserer Besten könnten aber bereits Anfang kommenden Jahres auf dem Ruhmespflaster rund um das Filmmuseum verewigt werden. Am Potsdamer Platz blitzen die Sterne.