Dr. Cora Jacoby: Protokoll einer 24-Stunden-Schicht

"Ich hätte mir nichts anderes vorstellen können, als Ärztin zu werden", sagt die 43-jährige Cora Jakoby vom Krankenhaus Neukölln. Und dass dieser Beruf nicht leicht sein werde, war der Fachärztin für Inneres und Schmerztherapeutin ebenfalls klar. Nicht aber, dass die täglichen Arbeitsbelastungen, der bürokratische Aufwand für die Patientenversorgung und der Kampf um das Budget ständig zunehmen. "Die Ethik unseres Berufes wird immer mehr den wirtschaftlichen Erfordernissen des Klinikbetriebes untergeordnet", sagt sie.

Seit 15 Jahren arbeitet sie in dem Krankenhaus an der Rudower Straße. Hat sie Bereitschaftsdienst, beginnt ihr Arbeitstag pünktlich um 7.30 Uhr. Blutabnahmen, Visite bei den Patienten, die nachts eingeliefert wurden, sowie die Medikamentengabe und das Anlegen von Fusionen bilden den Auftakt des Arbeitstages.

Um 8.30 Uhr geht es zur Röntgenbesprechung. Kurze Zeit später: Visite mit dem Oberarzt. Längere Gespräche am Bett sind kaum möglich, da alle 38 Patienten der Station 34 besucht und begutachtet werden müssen. Von der Visite zurückgekehrt - es sind rund zwei Stunden vergangen - werden Therapien, Punktionen und Ultraschalluntersuchungen durchgeführt. "In dieser kurzen Zeit habe ich Gelegenheit, mit den Patienten oder den Angehörigen zu sprechen", sagt sie. Viel Zeit steht nicht zur Verfügung, denn da warten schon die ersten eingelieferten Patienten, um untersucht zu werden.

13 Uhr ist die 30-minütige Abteilungsbesprechung mit Chefarzt, Oberarzt und Assistenzärzten.

Weitere Untersuchungen, Patientenaufnahmen und Gespräche mit Angehörigen schließen sich an. "Unsere Station versorgt vorrangig krebs- und leukämiekranke Menschen. Was da an Fragen, Sorgen und Ängsten aufbricht, ist kaum zu bewältigen", sagt sie. Wann sie sich an das Bett eines ihrer Patienten setzen soll, ist ihr schleierhaft.

Von 15 bis 16 Uhr schreibt sie Entlassungsbriefe, beschäftigt sich mit der bürokratischen Dokumentation der einzelnen Krankheitsfälle. Eine Sisyphusarbeit. Dann meldet sich der Pieper, es ist 16 Uhr, und sie rennt in die Rettungsstation. Dort müssen Patienten versorgt, Neuaufnahmen registriert, Diagnosen gestellt werden.

Dazwischen Kaffeetrinken im Stehen, Brötchen in der Hand.

Und immer wieder zurück zum Schreibtisch, um die Papiere für die Krankenkassen fertig zu stellen. Erst gegen 2.30 Uhr hat Frau Jakoby Zeit für einen Imbiss. Dann wieder der Pieper, es ist gegen 3 Uhr morgens. Bei schwer kranken Krebspatienten gibt es immer wieder Situationen, in denen die Ärzte sofort am Bett sein müssen. Es ist aber unmöglich, an mehreren Betten gleichzeitig zu sein. Endlich 7.30 Uhr. Ablösung vom nächsten Bereitschaftsarzt. "Ich bin schon froh, dass ich an keinem kleinen Haus bin, denn dort geht es für viele Ärzte nach den 24 Stunden noch weiter bis zum Mittag."