Öffentliche Förderung für Sex-Workshops

Die Broschüre mit dem unauffälligen Namen "xplore04" hat im Infoständer des Bürgeramts von Charlottenburg-Wilmersdorf gelegen. Auf 47 Seiten werden in ausführlichen Beschreibungen Workshops zum Erlernen von ungewöhnlichen Sexpraktiken angeboten (angefangen von Fesselspielen und Sinnesentzug bis hin zu Fußfolter).

Doch nicht der Inhalt schockierte den Rechtsanwalt Jan-Nicolas Steinpilz, der das Heft in der Auslage gefunden hatte, sondern vielmehr der Absender auf der letzten Seite. Die Organisatoren, die Compagnie Felix Ruckert und Dock 11, bedanken sich dort über die freundliche Unterstützung der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur. "Für die Schulbücher meines Sohnes gibt es kein Geld mehr, aber für solche Workshops", ärgert sich der Anwalt. Zudem sei es ihm unbegreiflich, wie diese Broschüre neben den Sommerangeboten für Jugendliche vom Bezirksamt ausliegen kann.

Die Senatskulturverwaltung bestätigt die finanzielle Unterstützung des Choreografen Felix Ruckert in Höhe von 100 000 Euro für die Jahre 2003/2004. "Es handelt sich um eine Basisunterstützung", sagt Sprecher Torsten Wöhlert. Eine externe Fachjury entscheide über die Zuweisung der Mittel und prüfe dabei nicht die einzelnen Projekte, sondern die allgemeinen Konzepte. Allerdings behalte sich die Senatsverwaltung vor, am Ende des Förderungszeitraumes zu prüfen, ob die öffentlichen Mittel tatsächlich im Sinne der Förderung eingesetzt worden seien. Im Extremfall könne das Geld zurückgefordert oder Anschlussförderungen gestrichen werden. Die Verwaltung werde in der kommenden Woche mit dem Künstler über das Projekt sprechen. Derweil kündigt Ruckert im Internet bereits die zweite Auflage der Workshops im Jahr 2005 an - wegen der großen Nachfrage.

Im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf zeigt man sich entsetzt darüber, dass Broschüren mit den harten Sexpraktiken in die öffentliche Auslage geraten konnten. "Alle ausgelegten Informationen werden vorher geprüft", sagt der zuständige Stadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Dieses Programm sei nicht genehmigt worden und muss von einem Besucher dort abgelegt worden sein. Das sei kaum zu verhindern.

flo