Studie widerspricht Wunderheiler

Krebs sei mit Vitaminen heilbar - verkündet der von tausenden Menschen als Wunderheiler gepriesene Mediziner Dr. Matthias Rath in Vortragssälen. Doch die Wirkung der so genannten Zellular-Medizin wird von Wissenschaftlern und Ärzten massiv angezweifelt. Dabei trägt Rath den Kampf gegen "Schulmedizin und Pharmakartell" publikumswirksam aus. Als Folge befassen sich Onkologen mit den umstrittenen Vitaminpillen.

Jetzt hat der Berliner Kinderarzt Professor Dr. Gerhard Gaedicke, Direktor der Klinik für Allgemeine Pädiatrie der Charité, Raths Vitamin-C-Präparat "Lysin-C-Drink" im Tierversuch getestet und keine nachweisbaren Wirkungen festgestellt. Die Krebszellen hätten sich bei Mäusen in der Versuchs- und Kontrollgruppe gleichermaßen todbringend ausgebreitet. Die Tumoren hätten sich in der Leber der Versuchstiere trotz des Vitamin-Präparats gebildet. "Zur Bekämpfung von Krebs sind ungeprüfte Heilmethoden ungeeignet", sagt Gaedicke, der die Ergebnisse kürzlich vor der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie in Berlin präsentierte.

Betroffen mache ihn die große Zahl der Kranken, die Raths Einladung zu Vorträgen folgten. Er habe bei einer Vortragsveranstaltung den Eindruck gewonnen, dass Raths Vitaminmischungen in ihrer Wirkung wissenschaftlich hinterfragt werden müssten. Andernfalls könnten Hoffnungen und Ängste kranker Menschen zu therapeutischen Fehlentscheidungen führen. Rath publiziere "vereinfachte, plakative Modelle" in der Regel in selbst verlegten Broschüren, nicht in seriösen wissenschaftlichen Zeitschriften. Statt nachprüfbarer Daten würden nach den vorliegenden Unterlagen aufbereitete Grafiken von Zellkulturversuchen präsentiert.

Auch die von der Deutschen Krebshilfe unterstützte Arbeitsgruppe Biologische Krebstherapie am Klinikum Nürnberg hält Raths Vitaminkur eher für ein geschicktes Marketing-Modell als für ein wirksames Medikament. Mit der Werbekampagne würden zum Teil kaum erfüllbare Hoffnungen geweckt, sagt Projektleiter Markus Horneber.

Die Rath Foundation bemüht sich derzeit um die Berliner Studie. "Sobald wir die Daten erhalten haben, werden wir uns dazu äußern", sagt der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit MR Publishing, Jens Kellersmann, im niederländischen Almelo. Zum Vorwurf, dass es an wissenschaftlichen Studien mangele, heißt es: "Wir können uns nicht in ein System integrieren, das wir grundlegend ablehnen." In kalifornischen Laboren sei die Wirksamkeit der Vitamine getestet und durch Einzelbeispiele belegt worden. Es fehle lediglich an großen klinischen Studien.

Seit vielen Jahren agiert Rath über den Versandhandel von den Niederlanden aus als erfolgreicher Pharma-Unternehmer. Und das, obwohl in zahlreichen Urteilen seine Werbung als unlauter und irreführend eingestuft wurde.

Christian Steffen vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat die Methoden von Rath auf einer Pressekonferenz der Hamburger Innenbehörde als Scharlatanerie bezeichnet. Steffen sagte: "Es ist kriminell, solche Produkte ohne ausreichende Prüfung und ohne Zulassung als Arzneimittel zu bewerben. Ich kann nur jedem Patienten raten, auf Krebsmittel aus dem Internet zu verzichten."