Studie

Meier, Müller, Schulze bevorzugt

Wer in Berlin auf Wohnungssuche geht, sollte besser über einen deutsch klingenden Namen verfügen. Denn Menschen mit ausländischen Namen haben es in der Hauptstadt deutlich schwerer, einen Mietvertrag zu bekommen, als diejenigen, deren Nachname Meier, Müller oder Schulze ist.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die Emsal Kilic, Soziologin türkischer Herkunft, im Rahmen einer Diplomarbeit an der Humboldt-Universität jetzt vorgelegt hat.

Kilic hatte sich für ihre Studie einer wissenschaftlichen Methode aus den USA bedient. Dabei hatte sie zunächst je zehn E-Mail-Adressen mit jeweils türkischen und deutschen Namen eingerichtet. Unter diesen Adressen antwortete sie dann auf Internet-Inserate von rund 50 Vermietern, die Wohnungen in den Bezirken Neukölln und Wilmersdorf anboten. Insgesamt verschickte sie unter den verschiedenen Namen 400 Bewerbungen.

Keine Chance in Wilmersdorf

Das Ergebnis: "In Wilmersdorf habe ich mit den türkischen Namen nicht eine einzige Zusage bekommen", berichtet Kilic. Die gleichen Abfragen, mit Namen wie "Petra Roth" oder "Claudia Wiesner" unterschrieben, erhielten immerhin sechs positive Antworten.

In Neukölln brachte der Test ein deutlich anderes Ergebnis: Dort erhielten die Wohnungssuchenden mit türkischen Namen wie "Ayse Bilir" oder "Sadime Tersdönmüs" elf Zusagen. Immerhin: Die unter deutschem Namen gesendete Suche ergab lediglich zwei Zusagen mehr. Dann jedoch folgte die zweite Phase des Experiments, in der es darum ging, unter den jeweiligen Namen einen Besichtigungstermin zu vereinbaren. "Zwei Freundinnen haben den Part der deutschen und türkischen Anruferin übernommen", sagt die 45-Jährige, die seit 1995 neben dem Studium als Erzieherin und Sozialarbeiterin tätig ist. Beide meldeten sich in fehlerfreiem Deutsch und gaben vor, mit einem berufstätigen Mann verheiratet zu sein und ein Kind zu haben. Während "Petra" neun Besichtigungstermine bekam, erhielt "Ayse" für dieselben Wohnungen nur vier Einladungen.

"Die Studie ist durch ihren eindeutigen Befund Besorgnis erregend", sagt der Stadt- und Regionalsoziologe Hartmut Häussermann, der Kilics Arbeit an der Humboldt-Universität betreute. "Die Arbeit von Frau Kilic beweist auch, dass Parallelwelten unter anderem deshalb entstehen, weil Menschen mit Migrationshintergrund in bestimmten Bezirken einfach keine Wohnungen bekommen." Indes sei das Ergebnis der Studie "nicht wirklich überraschend - ich hatte so etwas befürchtet", so Häussermann.

Erschreckend sei auch, dass nicht etwa der kleine private Hauseigentümer Menschen mit fremdländischen Namen diskriminierte, sondern sogar Wohnungsbaugesellschaften in Landesbesitz. Emsal Kilic hat ihre Bewerbungen nur Vermietern mit mehr als 50 Wohnungen gesendet, für die das so genannte Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gilt - darunter etwa die Hälfte in landeseigener Verwaltung. Die Namen der betreffenden Gesellschaften sollen jedoch nicht veröffentlicht werden: "Wir wollen nicht anklagen, sondern aufzeigen, dass die zunehmende Konzentration von Migranten in Neukölln oder Wedding nicht immer freiwillig gewählt ist", sagt Häussermann.

Diskriminierung schwer nachzuweisen

Das Gesetz enthält jedoch einen Passus, der es den Hauseigentümern erlaubt, im Interesse einer stabilen Mieterstruktur eine Auswahl zu treffen. In Paragraf 19 zur Wohnungswirtschaft heißt es in Absatz drei: "Bei der Vermietung von Wohnraum ist eine unterschiedliche Behandlung im Hinblick auf die Schaffung und Erhaltung sozial stabiler Bewohnerstrukturen und ausgewogener Siedlungsstrukturen sowie ausgeglichener wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Verhältnisse zulässig."

Das Interesse der Gesellschaften sei nachvollziehbar, sagt dazu Soziologe Häussermann: "Jedoch lediglich auf Grund eines Namens zu unterstellen, jemand passe nicht in das bestehende Mietergefüge, ist tatsächlich diskriminierend."

Beim Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), der über seine Mitglieder immerhin gut 40 Prozent aller Berliner Mietwohnungen im Bestand hat, "sind diesbezüglich keine Klagen bekannt", so Sprecher David Eberhart. 2008 habe es lediglich zwei angekündigte Klagen gegeben. Diese seien jedoch auf gütlichem Wege ausgeräumt worden.

Emsal Kilic wundert das nicht: "Eine Diskriminierung bei der Wohnungssuche ist sehr schwer nachzuweisen und viele Migranten kennen ihre Rechte auch gar nicht", sagt sie. Sie plädiere deshalb auch nicht für eine Änderung des Gesetzestextes: "Ich halte es für sinnvoller, wenn es eine Institution gibt, die den Wohnungssuchenden in solchen Fällen mit Rat und Tat zur Seite steht und das Gespräch mit den betreffenden Vermietern sucht." In den USA arbeiteten solche Anlaufstellen schon seit vielen Jahren erfolgreich.