Schöne Bescherung

Landleben für Großstadtkinder

Auf dem großen, dampfenden Misthaufen kratzen ein paar vermutlich glückliche Hühner herum, im Gehege daneben grunzen drei schwarze Schweine und eine Schar Gänse läuft laut schnatternd einer Schar Kinder hinterher

: Der Kinderbauernhof Pinke-Panke in Pankow bietet Landleben für Großstadtkinder mit allem was dazu gehört. "Bei uns sehen viele Kinder zum ersten Mal, wie Mohrrüben und Kartoffeln wachsen", sagt Sozialpädagogin Annett Rose, die den Kinderbauernhof 1991 gegründet hat.

Inzwischen kommen täglich bis zu 80 Kinder, um herumzutoben, sich mit den Tieren zu beschäftigen, bei der Kartoffelernte mitzuhelfen oder am großen Lagerfeuer zu sitzen. "Hier können Kinder sich mal richtig schmutzig machen", sagt Annett Rose. Viele kommen täglich, machen auf dem Hof auch ihre Hausaufgaben und helfen mit Begeisterung bei der Versorgung der Tiere.

Ein Höhepunkt auf dem Bauernhof ist das sonntägliche Kuchen-oder - zur Weihnachtszeit - Plätzchen-backen. Viele Kinder hätten das Zuhause noch nie gemacht, erzählt Annett Rose, was oft nicht am fehlenden Geld liege: "Da wollen manche Mütter nicht, dass die schicke neue Küche schmutzig wird." Es mangele in vielen Familien nicht an materiellen Dingen, sondern an Zeit, Aufmerksamkeit und sinnvoller Beschäftigung für das Kind. Die gibt's auf dem Bauernhof Pinke-Panke reichlich. Neben Schafen, Hühnern, Eseln und Schweinen, die versorgt werden wollen, gibt es ein großes Fort, das regelmäßig "abgerissen" und wieder neu aufgebaut wird - in fantasievollen Baustilen.

Auf dem Bauernhof kümmern sich sechs Teilzeitkräfte um die Betreuung der Kinder, dazu kommen Praktikanten aus dem Pädagogik-Studium und Jugendliche, die von der Jugendgerichtshilfe zur Ableistung von Sozialstunden geschickt werden. "Die kommen gern zu uns, viele blühen hier richtig auf", sagt Annett Rose. Der von ihr gegründete Verein Spielraum Pankow ist der Betreiber des Kinderbauernhofs an der Panke. Das Gelände, auf dem einst Mauer und Todesstreifen standen, wurde ihm dafür vom Senat zweckgebunden überlassen. "Ich wollte aus dem Todesstreifen eine Oase machen", sagt Annett Rose. Das ist ihr gelungen, doch "Rosie" - wie sie auf dem Hof gerufen wird - kämpft gerade wieder einmal um das Überleben ihrer Oase: der Bezirk Pankow hatte angekündigt, die Fördermittel für freie Träger, auf die auch der Pinke-Panke-Bauernhof angewiesen ist, zu streichen.

Verlässliche Nachmittagsbetreuung

Dieser Beschluss wurde zwar nach Protesten zurückgenommen, doch die Zuschüsse vom Bezirk sind nur für ein halbes Jahr gesichert. "Und da stellt sich der Bürgermeister hin und verkündet, die 47 Kinder- und Jugendhilfe-Projekte in Pankow seien gerettet!", empört sich Annett Rose. Sie hat Bürgermeister Matthias Köhne (SPD) einen offenen Brief geschrieben - "das hat ihm wohl nicht gefallen", sagt sie kämpferisch. Genau so wenig wie die Proteste der Eltern für den Erhalt des Kinderbauernhofs. "Die Eltern verlassen sich darauf, dass wir uns nachmittags um ihre Kinder kümmern", sagt Annett Rose und fügt hinzu: "Was wir hier für die Kinder und ihre Familien leisten, erspart dem Bezirk teure Sozialarbeit."

Die kommunalen Fördermittel decken zum Teil die Personalkosten, der Rest wird aus Spenden finanziert. Für den Unterhalt der Tiere kommt der Verein Mensch-Umwelt-Tier auf. Der Tierschutzbeauftragte von Berlin, Klaus Lüdtke, hat die Tierhaltung auf dem Kinderbauernhof Pinke-Panke als vorbildlich bezeichnet. Der Besuch des Kinderbauernhofs kostet nichts, nur Gruppen zahlen Eintritt. Man kann auch Kindergeburtstage auf dem Bauernhof feiern und jetzt im Winter werden die Kinder von einem Betreuer zum S-Bahnhof Wollankstraße begleitet.

Der Verein Berliner helfen finanziert im Rahmen der "Schönen Bescherung" den Bau eines Spielplatzes auf dem Bauernhof, mit Schaukel und Rutsche. "Schaukeln entspannt", sagt Annett Rose, "das Landleben kann nämlich für kleine Kinder ganz schön anstrengend sein." Aber es ist so viel aufregender, als vor dem Fernseher zu sitzen.

Kinderbauernhof Pinke-Panke, Am Bürgerpark 15-18 in Pankow, www.kinderbauernhof-pinke-panke.de