Stuhl des Senatsbaudirektors wackelt

An Kritik und wütende Reaktionen ist Hans Stimmann gewöhnt. Seit Jahren gehört der Senatsbaudirektor zu den am schärfsten kritisierten Akteuren der Berliner Verwaltung. Nun könnte das Zumthor-Debakel zum persönlichen Gau Stimmanns werden.

Viele sehen in ihm den Hauptverantwortlichen für die aktuelle Pleite beim NS-Dokumentationszentrum, denn über Jahre hat die Bauverwaltung die Kontrolle über das Projekt entweder nicht wahrgenommen oder in den Griff bekommen. Alice Ströver, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, forderte gestern, dass Stimmann deshalb endlich "persönlich zur Verantwortung gezogen wird". Er habe das Zumthor-Projekt von Anbeginn als architektur-ästhetisches Großprojekt "durchgeboxt", obwohl allen Beteiligten klar war, dass der Kostenrahmen beim anspruchsvollen Zumthor-Entwurf niemals hätte eingehalten werden können.

Für Stiftungsgeschäftsführer Andreas Nachama hat Stimmann bis zuletzt die Finanzdiskussion zu Gunsten des als architektonische Glanzleistung gesehenen Entwurfs von Zumthor beiseite geschoben. Reinhard Rürup, ehemaliger wissenschaftlicher Direktor der Stiftung, formuliert vorsichtiger: Stimmann habe die Probleme mit Zumthor "kleingeredet".

"Noch im März hat der Senatsbaudirektor im Kulturausschuss erzählt, dass es im Oktober weitergeht", sagt die kulturpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Sibylle Meister. Deshalb sei vor allem die Senatsbauverwaltung an dem Debakel schuld, "weil man offenbar über lange Zeit es einfach hat so laufen lassen", so Meister.

Die Versuche Stimmanns wie des früheren Bausenators Peter Strieder (SPD), die Schuld am Debakel der "schweizerischen Sturheit" Zumthors zuzuschreiben, würden viel zu kurz greifen, sagt Nachama.

Vermutlich sieht das Stimmanns Chefin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) nicht viel anders. Die ungewöhnliche Art und Weise, wie sie jetzt die Notbremse zog, kann als deutliche Kritik an der Projektumsetzung im eigenen Haus verstanden werden. Vielleicht entfällt damit nun die Rückendeckung, die Stimmann über Jahre in der Bauverwaltung hatte. Stimmann, der den jahrelangen Stillstand auf der Topographie-Baustelle als "schwerste Niederlage" bezeichnet hatte, war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

gd/ha