Alba Berlin ist bereits seit neun Jahren in Polen erfolgreich

| Lesedauer: 3 Minuten
Karsten Hintzmann

Zu den wenigen Pionieren, die sich bereits weit vor dem Beitritt zur EU auf den polnischen Markt gewagt haben, gehört das mittelständische Entsorgungsunternehmen Alba. Schon 1995 ging Alba nach Polen, gründete dort diverse Tochterfirmen oder ging Kooperationen mit städtischen Müllverwertungsunternehmen ein. Heute ist Alba in Polen an 13 Standorten mit Gesellschaften oder Niederlassungen vertreten und beschäftigt etwa 1000 Mitarbeiter, die in diesem Jahr einen Umsatz von 30 Millionen Euro erwirtschaften sollen.

Im Berliner Firmenstammsitz von Alba laufen alle Osteuropafäden beim ehemaligen Finanzsenator und heutigen Alba-Vorstand Peter Kurth zusammen. Für das zeitige Engagement in Polen hat Kurth eine plausible Erklärung: "Als Unternehmen, das in der Region Berlin-Brandenburg stark vertreten ist, war es für uns strategisch wichtig, zeitig Weichenstellungen vorzunehmen, um an den Wachstumsperspektiven in Polen partizipieren zu können. Hätten wir nicht vorgesorgt und diesen Markt unseren Mitbewerbern aus Westdeutschland überlassen, wären wir in eine unvorteilhafte Sandwichposition geraten."

Die Gefahr, quasi aus dem Westen und Osten von den großen Müllkonzernen eingekesselt zu werden, sei vorerst gebannt. Kurth selbst bemüht sich, dass dies auch so bleibt. Zwei Tage in der Woche tourt er durch das Nachbarland. Besucht die Alba-Ableger, pflegt Kontakte zu regionalen Entscheidungsträgern und akquiriert neue Firmenbeteiligungen und Entsorgungsaufträge.

Trotz der Nähe zu Polen sind die Dienstreisen meist beschwerlich. Kurth: "Von Berlin nach Schlesien brauche ich fünfeinhalb Stunden, weil es keine Direktflüge dorthin gibt. Unsere Mitbewerber aus Nordrhein-Westfalen schaffen diese Strecke auf Grund der guten Anbindung per Flugzeug von Düsseldorf nach Katowice in anderthalb Stunden." Kurth hofft, dass nach dem EU-Beitritt " ab Frühsommer wenigstens eine Direktverbindung von Berlin nach Krakau eingerichtet wird". Derzeit wird von der Bundeshauptstadt als einziges polnisches Ziel Warschau angeflogen. Kurth: "Die Feststellung, dass die polnische Grenze nur 80 Kilometer entfernt ist, ist zwar richtig, sie hilft uns aber angesichts der existierenden Infrastruktur nicht weiter. Ich mache meine Geschäfte schließlich nicht an der Zollstation."

Während seiner zahlreichen Besuche in Warschau, Breslau, Lubin, Tychy oder Bytom hat sich Kurths Bild von Polen und den Menschen dort komplett gewandelt. Kurth: "Es ist beeindruckend, mit welchem Engagement und Biss die polnischen Berufsanfänger ihre Chance wahrnehmen. Was Arbeitsfreude, Sprachkenntnisse und Motivation betrifft, haben die polnischen Mitarbeiter manchem Deutschen einiges voraus." Zudem seien polnische Hochschulabsolventen wesentlich früher mit dem Studium fertig und hätten oft eine umfassendere Ausbildung als Absolventen daheim. Von derlei Lerneifer hat sich Peter Kurth offenbar anstecken lassen: "Ich werde im Sommer einen Sprachurlaub in Breslau machen."

Mit dem Beitritt zur Europäischen Union erhofft sich Kurth neben der Verbesserung der Verkehrsanbindung in Richtung Osten auch eine Erleichterung des grenzüberschreitenden Geschäfts und der Beschäftigung von polnischen Nachwuchskräften in deutschen Alba-Niederlassungen.

In Polen will Alba kräftig weiter expandieren. Kurths Ziel: "Ende 2005 wollen wir in unserem Nachbarland auf einen Umsatz von 50 Millionen Euro kommen."