Handel fürchtet Angriff der Markenpiraten

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Marie-T. Nercessian

Der Beitritt von Ländern wie Polen und Tschechien lässt Berlin ins Zentrum der Europäischen Union rücken - aber auch möglicherweise zur Hauptstadt der Markenpiraterie werden. Die Warenkontrollen an den Grenzen fallen weg. Unternehmer, Händler und Verbandsvertreter befürchten, dass der Berliner Markt mit Plagiaten, Raubkopien und Hehlerware überschwemmt werden könnte.

"Die Berliner Unternehmen haben Sorge, dass die Produkt-Piraterie zunimmt", sagt IHK-Bereichsleiter Gerd Woweries. "Markenpiraterie macht auch dem Einzelhandel zu schaffen", schließt sich Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels an. Die Plagiate würden von fliegenden Händlern auf Trödelmärkten angeboten, gefälschte Ware sei immer schwerer zu erkennen. Berlin sei als Touristen-Hochburg besonders betroffen.

"Gerade in den neuen Mitgliedsländern ist das Problem der Markenpiraterie sehr groß. An den Grenzen wird in großem Maße mit gefälschten Waren gehandelt", sagt Doris Möller vom Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie e.V. (APM). Schon heute stammten fast 20 Prozent der gefälschten und nach Deutschland geschmuggelten Artikel aus Tschechien und Polen.

Betroffene Unternehmen sind alarmiert: "Wir sind gewappnet, arbeiten mit privaten Ermittlern und dem Zoll zusammen, um Fälscherbanden aufzuspüren", sagt Adidas-Sprecherin Anne Putz.

Der wirtschaftliche Schaden bewegt sich in dreistelliger Millionenhöhe: "Im vergangenen Jahr gab es 3461 Grenzbeschlagnahmungen mit einem Warenwert von rund 178 Millionen Euro", sagt Christopher Scholz, Geschäftsführer beim Markenverband. Allein 783 000 Flaschen gefälschter Wodka und 57 Millionen gefälschte Zigaretten seien beschlagnahmt und vernichtet worden. Rund 60 000 Arbeitsplätze gingen jährlich in Deutschland durch den Fälschermarkt verloren.

"Wir müssen damit rechnen, dass sich das Problem im Großraum Berlin noch verschärfen wird. Die Ware, die jetzt schon in Polen ist, kann ungehindert nach Deutschland fließen. Die Lagerhäuser an der weißrussischen und polnischen Grenze sind proppevoll", sagt Axel Werner, Sprecher der Oberfinanzdirektion Cottbus, die für den Zoll in Berlin und Brandenburg zuständig ist. "Wir rechnen mit stark ansteigendem Zigarettenschmuggel und einem massiven Anstieg von Fälscherware." Künftig würden daher verstärkt Hinterland-Kontrollen durch mobile Kontrollgruppen durchgeführt.