Gedenken

Baubeginn am Mahnmal für Sinti und Roma

Nach jahrelangen Verzögerungen beginnt am kommenden Freitag offiziell der Bau des Mahnmals der Bundesrepublik zur Erinnerung an die in der NS-Zeit ermordeten Sinti und Roma. Anlass ist die letzte Bundesratssitzung in diesem Jahr, in der traditionell an den 16. Dezember 1942 erinnert wird.

An diesem Tag unterzeichnete der SS-Führer Heinrich Himmler den sogenannten Auschwitz-Erlass, womit er die Ermordung von europaweit mindestens 500 000 Sinti und Roma besiegelte.

An dem offiziellen Baustart nimmt neben Kulturstaatsminister Bernd Neumann auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) teil. Die vorbereitenden Baumaßnahmen für das Denkmal auf einer Grünfläche gegenüber dem Reichstagsgebäude sind bereits seit einiger Zeit im Gange. Der Bund stellt dafür bis zu zwei Millionen Euro zur Verfügung, das Land Berlin das Grundstück.

Der Entwurf für das Mahnmal in Gestalt eines Brunnens mit dunklem Wasser stammt von dem israelischen Künstler Dani Karavan, der sich auch am Wettbewerb für das Holocaust-Mahnmal in Berlin beteiligt hatte. Am Freitag wird auch eine Gedenktafel mit der Chronologie des Völkermordes enthüllt. Dieser Denkmalstext wurde mit dem Institut für Zeitgeschichte in München und dem NS-Dokumentationszentrum in Köln unter Federführung des Kulturstaatsminister-Büros erarbeitet und durch einen einstimmigen Entschluss des Bundesrates am 20. Dezember 2007 unterstützt. Er trägt, wie Neumann betonte, "den Anliegen der Opferverbände in größtmöglicher Weise Rechnung".

"Quadratur des Kreises"

Der Widmungstext am Brunnenrand enthält ein Gedicht des Italieners Santino Spinelli - "Auschwitz". Es sei, so Neumann, "ein schwieriger Prozess, beinahe wie die Quadratur des Kreises" gewesen, eine Übereinkunft zwischen den Beteiligten zu finden, was nun gelungen sei. "Jetzt kann das Mahnmal im Laufe des nächsten Jahres endlich fertiggestellt werden."

Bereits 1992 hatte die damalige Bundesregierung ihre Bereitschaft zur Unterstützung der Errichtung eines Denkmals signalisiert. In den Folgejahren wurden die Form des Denkmals und anschließend die Standortfrage kontrovers diskutiert. Die Festlegung des Standortes im Tiergarten nahe dem Reichstag erfolgte 2001.

In der letzten Legislaturperiode hatte Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) vergeblich versucht, mit den beiden Opferverbänden, dem Zentralrat Sinti und Roma und der Sinti Allianz, eine Einigung über die Inschrift herbeizuführen. Diese Einigung hat Neumann jetzt erzielt.

Erst im Mai 2008 war in Tiergarten das Mahnmal für die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen enthüllt worden, auf das drei Monate später ein Anschlag verübt wurde.