Stifter der American Academy gestorben

"Ich bin ein guter New Yorker geworden, aber auch immer ein guter Berliner geblieben." So beschrieb sich Stephen M. Kellen, der Stifter der American Academy in Wannsee, selbst und erfüllte seinen Anspruch bis zu seinem Tod am 11. Februar in New York. Im April wäre er 90 Jahre alt geworden. Wie kaum ein anderer hat der 1914 in Berlin geborene und in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Getaufte - der in den 30er-Jahren als "Rassejude" Deutschland verlassen musste - die Entwicklung seiner Heimatstadt stets begleitet und immer wieder unterstützt.

Stephen Kellen flüchtete 1936 über England in die USA, wo er 1940 in das New Yorker Bankhaus Arnhold und S. Bleichröder eintrat. Von 1955 bis 1994, seinem 80. Lebensjahr, war er dessen Präsident. Er heiratete die Tochter des Bankiers Hans Arnhold, der mit seiner Familie ebenfalls vor den Nazis aus Berlin geflüchtet war.

Beide Familien waren der Kunst und Kultur zugetan und hatten diese schon vor ihrer Emigration großzügig unterstützt. Gemeinsam mit seiner Frau Anna-Maria entwickelte sich Kellen zu einem feinsinnigen Sammler, Mäzen und Wohltäter, unterstützte soziale und kulturelle Projekte. 1997 wurde das Paar in New York mit dem Orden "Spirit of the City" geehrt.

Stephen Kellen war ein Mann, der keinen Hass pflegte. Er wollte Brücken bauen. Schon 1946 reiste er in seine ausgebombte Geburtsstadt, um zu erkunden, wie er helfen könnte. Später organisierte er die ersten amerikanischen Anleihen für deutsche Firmen wie Siemens oder Hoechst und war deutschen Firmen beim Kauf von amerikanischen Gesellschaften behilflich.

Eine seiner Brücken der Freundschaft ist die American Academy Berlin, die er im März 1998 mit einer Spende von drei Millionen US-Dollar im "Hans Arnhold Center", dem Elternhaus seiner Frau in Wannsee, eröffnete. Sie sollte nach dem Abzug der amerikanischen Truppen dem geistigen Austausch dienen.

Stephen M. Kellen war nicht nur Träger des Bundesverdienstkreuzes, sondern auch der Ernst-Reuter-Plakette. Der ebenfalls aus Deutschland stammende Präsident der American Academy, Robert Mundheim, versprach: "Die American Academy wird als dauerndes Denkmal für Stephen - und auch für seine Frau - weiter bestehen."

gs