Nach 40 Jahren Treue verlässt Pepe Mager für immer das Stadion

"Hans Meyer ist wirklich ein guter Mann, aber im Testspiel gegen Las Palmas haben die doch den gleichen Murks wie immer gespielt", ärgert sich Pepe. Vielleicht gibt es einen Schutzengel, der Hertha ein wenig unter die Arme greift, äußert einer der treusten Fans seinen Wunsch für Herthas Start in die Bundesliga-Rückrunde. "Pepe Mager, im Herzen Herthaner", stellt er sich vor. Im Ausweis des 64-Jährigen steht Peter Klaus-Dieter Mager, aber im Fanblock im Olympiastadion hieß er nur Pepe. Doch damit ist Schluss. "Es waren nicht die sportlichen Leistungen", beteuert er. "Da ist kein Herz mehr, keine Wärme, heute zählt nur noch die Kohle."

Fast 40 Jahre schon verkauft Pepe in seinem Stand am Olympiastadion Fanartikel seiner Lieblingsmannschaft. Seit 1963. Als Otto Rehhagel noch in der Verteidigung stand, war er im Stadion. Alle Höhen und Tiefen, egal ob 1. Liga, 2. Liga oder Regionalliga und die Spiele im Uefa-Cup, hat er durchlebt und durchlitten. Immer in Block E und F, in der Fankurve. Er organisierte Bahn- und Busreisen, war Reiseleiter, Bier- und Souvenirverkäufer in Personalunion. Er erzählt von den "Herthafröschen", jener Fan-Gemeinde, die einst in ganz Deutschland berühmt-berüchtigt war. "Es gab leider immer ein paar Idioten, die sich prügeln mussten, aber es war die absolut schönste Zeit. Da gab es noch Kontakte zu den Trainern und Spielern."

Nach zwei Schlaganfällen nahmen ihn Freunde im Sommer des vergangenen Jahres wieder mit ins Stadion. Pepe mit Gehhilfe im Hertha-Trikot. Auf der Suche nach einer Behindertentoilette wollten ihn Ordner in den Rang schicken. "Die haben gesehen, dass ich allein keine Treppen mehr steigen kann", erzählt er. "Das war denen egal, das hat die nicht gekümmert. Auf das Klo der so genannten VIPs durfte ich auch nicht." Das Spiel gegen den HSV hat er sich nicht mehr angesehen. Er hat das Stadion verlassen und seitdem auch nicht mehr betreten. Aber das Herz schlägt weiter für "seine" Hertha.

ag