Mykonos-Täter: Kein Austausch

Die in Berlin zu lebenslanger Haft verurteilten Mykonos-Attentäter sind nicht Teil des zwischen Israel und der Hisbollah vereinbarten Gefangenenaustauschs. Das verlautete gestern aus dem Bundeskanzleramt. Damit widerspricht das Kanzleramt Meldungen israelischer Zeitungen, die sich auf den Geheimdienstkoordinator Ernst Uhrlau beziehen. Uhrlau wollte sich gestern nicht zu den Meldungen äußern.

Der Berliner Anwalt des Drahtziehers des Anschlages auf das griechische Restaurant Mykonos im Jahr 1992, Rüdiger Portius, zeigte sich gestern überrascht von den Meldungen über einen Austausch. "Davon weiß ich nichts", sagte Portius. Er stehe in regelmäßigem Kontakt mit der Bundesanwaltschaft, da seinem Mandanten derzeit ein weiteres Verfahren droht.

Die Vereinbarung zwischen Israel und der Hisbollah sieht vor, dass Israel 400 palästinensische und 35 arabische Häftlinge entlässt. Die Hisbollah gibt im Gegenzug vier Israeli frei.

Der Anschlag auf das Wilmersdorfer Restaurant Mykonos vor 14 Jahren hatte schwere außenpolitische Störungen hervorgerufen. Bei dem Anschlag waren vier iranische Oppositionelle in dem griechischen Restaurant ermordet worden. Im Mykonos-Prozess hatte ein deutsches Gericht erstmals ein fremdes Land des Staatsterrorismus beschuldigt. In der schriftlichen Urteilsbegründung stellte das Gericht fest, das Attentat sei "durch die Machthaber des Iran ins Werk gesetzt worden". Auch der geistliche Führer Ajatollah Chamenei habe als "politische Instanz den Auftrag bestätigt". Drei der vier 1997 verurteilten Attentäter sitzen noch in Deutschland in Haft. Der Vierte hat seine Haftstrafe bereits verbüßt und ist in seine Heimat abgeschoben worden.

-ker