"Die Frauen sind schuld"

Natürlich sind die Frauen schuld. Sagen die Täter jedenfalls. Der 34 Jahre Thomas R. erzählt vor Gericht immer wieder von den Vorwürfen seiner Lebensgefährtin: Er sei kein richtiger Mann, könne noch nicht einmal die Familie ernähren. Im Sommer 2002 war Thomas R. als Immobilienmakler Pleite gegangen. Und als es auch mit der zügigen Zahlung der Sozialhilfe nicht klappen wollte, sei er losgezogen. Mit Gaspistole. Über dem Kopf einen Seidenstrumpf. Dreimal binnen weniger Tage zur selben Postfiliale in Steglitz. Zweimal erbeutete er 800 Euro, einmal 600.

Ein halbes Jahr später ging Thomas R. noch mal hin. Diesmal als ordentlicher Bürger, um ein Sparbuch mit einem Guthaben von 5 Euro aufzulösen. Eine Kassiererin erkannte ihn "an der Art, wie er sich bewegte". Bei der Polizei gab er dann gleich noch einen Überfall auf einen Edeka-Markt zu. Die Quittung für alles zusammen: sechs Jahre und neun Monate Gefängnis. Die Freundin hat sich längst von ihm getrennt.

Ähnlich hoch werden vermutlich auch die Strafen für den ehemaligen Polizeibeamten Tino B. und seinen Freund Emre T. sein, die sich im Moabiter Kriminalgericht wegen vierfachen Raubes verantworten müssen. Beide hatten von Mai bis Juli 2003 dreimal eine Sparkassenfiliale am Hansaplatz überfallen. Inklusive eines Raubzuges auf eine weitere Filiale ergatterten sie 35 000 Euro. Auch bei ihnen haben Frauen angeblich die treibende Rolle gespielt. Vor allem der 23 Jahre alte Emre T. weiß das plastisch zu schildern: seine hoffnungslose Liebe zu Britta, die aus Bayern kam, in Charlottenburg als Kellnerin arbeitete, ständig Geld benötigte und ihn zum Kokainkonsum verführte. Um ihr auch tagsüber näher zu sein, sagt er, habe er sogar den sicheren Job im Bundestagsgebäude als Brandwächter aufgegeben. Und als sich die Schulden immer höher türmten, hatte der 27 Jahre alte Tino B., den er von der gemeinsamen Arbeit als Kleindarsteller kannte, die scheinbar rettende Idee . . . Beim letzten Überfall gerieten sie in den Fokus einer Überwachungskamera - und wurden erkannt.

Der Prozess wird fortgesetzt.