Abriss Ost: 3200 Platten-Heime weg

Berlin hat sein erstes repräsentatives Buch zum "Stadtumbau Ost" in den großen Plattenbausiedlungen.

Berlin hat sein erstes repräsentatives Buch zum "Stadtumbau Ost" in den großen Plattenbausiedlungen. Der reich bebilderte Prachtband des Senats und Bezirksamtes ist rechtzeitig zum fünfjährigen Jubiläum des Starts dieses Förderprogramms der Bundesregierung und der Länder erschienen. Er trägt den Titel "Im Wandel beständig - Stadtumbau in Marzahn und Hellersdorf". Das Buch reflektiert auf 303 Seiten den Prozess des Abrisses von bisher mehr als 3200 Wohnungen seit 2002 (davon 2278 in Marzahn) und etwa 80 Kitas oder Schulen.

Es informiert auch über den Rückbau von maroden Platten-Elfgeschossern zu drei- bis sechsstöckigen Stadtvillen wie beim Vorzeigeprojekt "Ahrensfelder Terrassen" in Marzahn-Nord (Kosten: 30 Millionen Euro). Dargestellt wird die Aufwertung der Plattenbaukieze mit Parks, Stadtplätzen oder Grünflächen. Stadtentwicklungs-Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) spricht in ihrem Geleitwort von einer "erfreulichen Bilanz, um weiteren Leerstand und Verwahrlosung des Wohnumfeldes vorzubeugen".

Hintergrund: Seit der Wende hat der Bezirk etwa 40 000 Einwohner verloren, die Zahl der Schüler hat sich mehr als halbiert. Bei der Vorstellung des Buches sagten Berlins Staatssekretärin Hella Dunger-Löper: "Der Wandel in Marzahn-Hellersdorf geht weiter". Stadtentwicklungs-Stadtrat Norbert Lüdtke (Linke) kündigte an: "Aber die Abrissphase geht bis 2009 zu Ende." Hauptabriss-Schauplatz bleibt Marzahn. Dort sollen in drei Wohngebieten weitere 1323 unsanierte Wohnungen verschwinden. Betroffen sind das Ringkolonnaden-, Cecilien- und Schorfheideviertel. Die Kosten liegen bei elf Millionen Euro. Das Geld kommt weiter überwiegend aus dem Stadtumbau-Programm. Im Zuge dieser wohl letzten Abrisswelle haben jetzt die Linksfraktion des Abgeordnetenhauses und Anwohner einen Etappensieg errungen. Sie wehren sich dagegen, dass zwei Ringkolonnaden-Blöcke mit 477 Wohnungen an der Mehrower Allee 38-48 und Ludwig-Renn-Straße 46-62 vollständig dem Erdboden gleichgemacht werden. Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Linken, Thomas Flierl, hatte sogar mit "Koalitionskrach" gedroht, "wenn das städtebauliche Gesicht von Marzahn-Mitte zerstört" würde.

Die Degewo/WBG Marzahn zog jetzt ihre Ausschreibung zum Abriss des achtgeschossigen Komplexes Mehrower Allee zurück. Sie hat wohl keine Rückendeckung vom Senat mehr. Degewo-Sprecherin Erika Kröber sagte gestern: "Neue Gespräche zwischen Senat und Bezirk haben uns zu dem Schritt veranlasst." Nach Empfehlungen einer Stadtumbau-Werkstatt wird nun ein Rückbau in Gestalt von Einfamilienhäusern ins Auge gefasst. An der Schorfheidestraße hat nach Vorschlägen der Anwohner auf Abrissflächen die Gestaltung einer hügeligen Heide-Landschaft begonnen. Eingebettet sind darin Berlins erste "Mufus", Multifunktionsboxen, die aus der Luft wie Schafe auf der Weide aussehen. Sie sind als Garage oder Hobbyraum zu nutzen.

Das Stadtumbau-Buch kann kostenlos über die Planergemeinschaft Dubach/Kohlbrenner gegen Versandkostenpauschale unter Fax 88 59 14 99 oder mail@planergemeinschaft.de bestellt werden.