Mieter über Abrisspläne geschockt

Die Nachricht, dass am Adenauerplatz ein Hotelpark entstehen soll, hat Mieter und Gewerbetreibende wie ein Schock getroffen.

Die Nachricht, dass am Adenauerplatz ein Hotelpark entstehen soll, hat Mieter und Gewerbetreibende wie ein Schock getroffen. Frank Jaspermöller, Inhaber von "Jason's Fitness & Friseur", der wie etliche andere die Neuigkeit erst aus dieser Zeitung erfuhr, kontaktierte gestern sofort seinen Vermieter. Doch dort habe er keine Auskunft bekommen. "Der Eigentümer muss sich aber im Klaren darüber sein, dass schon das öffentliche Spekulieren über solche Zukunftspläne Konsequenzen haben wird. Wir haben Umsatzeinbußen", sorgt sich der 42-jährige Unternehmer.

Das Fitness-Geschäft mit mittlerweile 700 Mitgliedern und den Friseurladen hat Jaspermöller vor fünf Jahren übernommen. Seitdem habe er 100 000 Euro in die Räumlichkeiten investiert - in eine neue Sauna, in die Renovierung der Umkleideräume, allein 25 000 Euro habe der Umbau der Dachterrasse zu einem Wellnessgarten gekostet. Die Kalkulation für Personal- und Betriebskosten basiere auf langfristigen Mitgliedschaften bis zu fünf Jahren. "Es geht um Existenzen", mahnt Jaspermöller, der als Einzelunternehmer agiert und zu keiner Kette gehört. Von den acht Mitarbeitern sind vier Azubis, die bei ihm den Beruf Sport- und Fitnesskaufmann erlernen. Den Mietvertrag hat er gerade erst bis 2013 verlängert. Noch gestern Abend wollte er sich mit seinem Anwalt beraten. Auch im dazugehörigen Wohnhaus an der Wilmersdorfer Straße 82 und 83, in dem 40 Mietparteien wohnen, hatte sich die Nachricht eines möglichen Hausabrisses noch nicht überall herumgesprochen. Manuel Patzke (56) und Barbara Klipp (50), die seit fast anderthalb Jahren den Blick auf den Kudamm genießen, traf sie wie ein Schlag: "Wir haben lange gesucht, um diese passgerechte Wohnung für uns zu finden. Wir würden ungern umziehen", so das Paar, dass von der Frankfurter Allee in Lichtenberg nach Charlottenburg umzog, weil es dort arbeitet - er als Kellner, sie als Reinigungskraft.

"Ich hasse Umziehen"

Auch Yogalehrerin und Capoeira-Trainerin Angi Jauernig (26) möchte in ihrer Zweizimmerwohnung bleiben: "Ich hasse Umziehen, meine Wohnung gefällt mir. Außerdem finde ich, dass es schon genug Hotels gibt."

Auch in diesem Fall gelte der Grundsatz "Kauf bricht Miete nicht", sagte Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins. Es gebe keine Kündigungsmöglichkeiten wegen Abrisses. Möglich seien Kündigungen wegen der Hinderung einer angemessenen wirtschaftlichen Verwertung. "Aber an diese Kündigungen stellen die Gerichte hohe Anforderungen. Es ist deshalb nicht absehbar, dass sich der Vermieter durchsetzen wird. Und aufgrund dieser Situation wird in den meisten Fällen ein Einvernehmen hergestellt werden müssen", so der Mietrechtsexperte.

Projektentwickler Alexander Wiedemann, der das Vorhaben zusammen mit Architekt Sergej Tchoban am Mittwoch im Bauausschuss des Bezirksamtes vorgestellt hatte, betonte gestern: "Solange der Eigentümerwechsel nicht vollzogen ist, sind alle Überlegungen nur Planspiele. Für irgendwelche Aufregungen gibt es noch keinen Anlass." In dem Moment, in dem die Tchoban Wiedemann Projektentwicklung GmbH (TWP) ihre Pläne verwirkliche, verbürge er sich dafür, dass es keinen einzigen Fall geben werde, der die Veränderung bedauere. "Bestehende Verträge werden eingehalten, oder wir einigen uns", versicherte Wiedemann.

Für das Hotelprojekt an der Spitze zwischen Wilmersdorfer Straße und Lewishamstraße hat nach Auskunft von Architekt Tchoban die Accor-Gruppe als Betreiber Interesse bekundet. Damit die 443 Zimmer für ein Ibis, Etap und Suite-Hotel gebaut werden können, müsste zunächst das Wohnhaus abgerissen werden. Nach Auskunft des Projektentwicklers Wiedemann will die TWP die Immobilie erwerben, abreißen und das Grundstück anschließend neu bebauen. Den betroffenen Mietern sollen Ersatzwohnungen angeboten werden. Ihnen sollen keine Kosten entstehen. Die Mitglieder des Bauausschusses hatten keine grundsätzlichen Einwände gegen das Projekt, wollen Details aber in weiteren Sitzungen besprechen.