SPD-Plan: Internet für ganz Berlin

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Gilbert Schomaker

Berlin soll einen gewaltigen Schritt in die mediale Zukunft machen: Die SPD will für alle Berliner und Besucher der Hauptstadt ein Funknetz für einen drahtlosen Internetzugang ("Wireless Local Area Network, kurz WLAN") aufbauen.

Berlin soll einen gewaltigen Schritt in die mediale Zukunft machen: Die SPD will für alle Berliner und Besucher der Hauptstadt ein Funknetz für einen drahtlosen Internetzugang ("Wireless Local Area Network, kurz WLAN") aufbauen. Das geht aus dem Leitantrag für eine Innovationsoffensive hervor, der auf dem Parteitag im November verabschiedet werden soll. Sollte ein solches Funknetz aufgebaut werden, gäbe es für die Menschen in der Hauptstadt ganz neue Möglichkeiten beispielsweise fürs Einkaufen, für die Hotelsuche sowie für Theater- oder Kinobesuche. Vorbild ist die Stadt Heidelberg.

Angebote aufs Handy

In der dortigen Altstadt kann man von jedem Ort mobil und umsonst ins Internet - egal, ob man sich draußen auf den Straßen oder drinnen im Lokal befindet. "Mit dem Laptop oder modernen Handys wie den I-Phones kommt der Besucher direkt auf eine Informationsseite der Stadt Heidelberg", erklärt Matthias Jöst, Leiter der Portalentwicklung von Heidelberg mobil, die das Netz aufgebaut hat. Auf der Info-Seite befinden sich beispielsweise Öffnungszeiten der Behörden, Angebote zum Einkaufen oder auch Theaterempfehlungen samt Kartenreservierung. Abrufbar sind auch Informationen über Sehenswürdigkeiten. Der Vorteil ist zudem, dass es jeweils eine Wegbeschreibung gibt.

"Das System zeigt einem also an, wie man auf die schnellste Art in das Restaurant kommt, das man gerade sucht. Oder es empfiehlt Lokale in nächster Umgebung - samt Extra-Angeboten wie Happy Hour", sagte Jöst. Deswegen sei das Angebot auch für den Einzelhandel und das Hotel- und Gaststättengewerbe interessant. 200 bis 300 Zugriffe gibt es pro Tag. Einnahmen könnten durch Werbung oder auch dann nicht mehr kostenfreie Stadtführungen erzielt werden. Nach Heidelberg wird das System nun auch schon in einem Stadtteil von Peking eingesetzt. Auch Estlands Hauptstadt Tallin setzt auf ein solches stadtweites Funknetz. Andere Städte, die mit solchen Systemen arbeiten, sind Philadelphia in den USA und London in England. Allerdings sind die Einsätze meist nur auf bestimmte Zonen begrenzt.

Arbeitsplätze schaffen

Für die Hauptstadt-SPD wäre das auch ein interessantes Projekt für Gesamt-Berlin. "Mit einem berlinweitem WLAN kann das Land dafür sorgen, die Bedingungen für die Weiterentwicklungen im Kompetenzfeld Informations- und Kommunikationstechnologien zu unterstützten", heißt es in dem Leitantrag.

Mit anderen Worten: Wenn Berlin erst so ein Netz für alle zur Verfügung stellt, könnte das Firmen dazu verleiten, neue Produkte für den mobilen Internetgebrauch zu entwickeln. Denn mit über drei Millionen potenziellen Kunden ist der Markt sehr interessant. Dadurch sollen auch in der Medien- und Kommunikationstechnologie neue Jobs entstehen. Schon jetzt arbeiten mehr als 62 000 Festangestellte in der Kommunikationsbranche. Mehr als ein Drittel dieser Jobs hängt mit der Verarbeitung von Daten oder Dienstleistungen rund um die Kommunikation zusammen. Die SPD will dieses wirtschaftspolitische Standbein durch ihren Plan stärken.

Bei der Umsetzung könnte es aber noch Schwierigkeiten geben. So steht das Heidelberger Netz in Konkurrenz zu den Angeboten großer Telekommunikationsfirmen. Noch ist auch nicht geklärt, wie man neue Sendemasten finanzieren kann. In diesem Punkt machen die Heidelberger den Berliner aber Hoffnung. "Läuft so ein Netz, ist es für die lokale Wirtschaft sehr interessant. Dann amortisieren sich die Investitionskosten schnell", sagt Jöst.