Am Schiffbauerdamm in Mitte lockt eine neue Szene-Bar

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Tina Molin

Auf diese Bar musste Berlin lange warten. Ursprünglich sollte das "Tausend" im vergangenen Herbst eröffnen, doch die Macher, die auch das "103" an der Kastanienallee in Prenzlauer Berg betreiben, verschoben den Start.

Auf diese Bar musste Berlin lange warten. Ursprünglich sollte das "Tausend" im vergangenen Herbst eröffnen, doch die Macher, die auch das "103" an der Kastanienallee in Prenzlauer Berg betreiben, verschoben den Start. So musste die Mitte-Schickeria über ein Jahr auf ihre neue nächtliche Heimat warten. Das lange Warten hat sich aber gelohnt.

Eine Bar für die Mitte-Szene

Mit dem "Tausend" bekommt die Hauptstadt endlich eine zeitgemäße Bar, die keinen Vergleich mit Bars in London, New York oder Tokio scheuen muss. Das Erste, was beim "Tausend" auffällt, ist, dass nichts auffällt. Unkundige laufen verzweifelt den Schiffbauerdamm entlang, an "Ganymed" und "Ständiger Vertretung" vorbei. Die unscheinbare Eisentür unter der Brücke der S-Bahn-Trasse erinnert schließlich eher an den Zugang zu einer Abstellkammer. Am Eingangstor prangt nur eine "11". Auch der weitere Empfang bleibt verhalten. Klopfen, klopfen und nochmals klopfen, dann endlich öffnet sich die Tür, und ein Kopf erscheint. Stille.

Der ungläubige Blick unter der Schiebermütze scheint zu fragen: "Was wollen Sie denn hier?", doch dann öffnet sich die Tür, und der Gast findet Zugang zum neuen In-Treff. Ein Schauspiel wiederholt sich. Gäste, die den Raum zum ersten Mal betreten, bleiben wie angewurzelt stehen. Ihr Blick wandert ungläubig zur Decke und zu der Lichtinstallation. Der Raum ist mit Metallplatten überzogen, die wie Schuppen an ihm hängen und an den Wänden in flächendeckende Spiegel übergehen. Am Ende des Raumes leuchtet eine riesige Lichtinstallation. "Odyssee im Weltraum", sagt ein Gast, einen anderen erinnert es an einen Windkanal.

In den Sitzecken lümmeln Filmschaffende, Models, DJs und Werber, man prostet sich mit Champagner zu, will sehen und gesehen werden. Das "Tausend" ist ihre neue Oase mitten in Mitte. Die Zeiten, wo die Möbel aus Sperrholz bestanden und der Verputz von der Decke bröckelte, sind vorbei. Statt Trash-Chic feiert man nun mit Stil und Geld. Mitte ist erwachsen geworden, und das sieht man auch an der Getränkekarte. Statt Klassiker wie "Caipirinha" setzt man auf echte Geschmackserlebnisse. Der "Pink Mojito" ist eine verblüffende Komposition aus Minze und Erdbeere. Der "Caravan" vereint Rum mit Dattelsirup und Limone, und beim "Ginger Chio" trifft Sake auf Ingwer. Bei Preisen ab 8,50 Euro kein billiger Spaß, aber ein absoluter Hochgenuss. Doch leider ist nichts perfekt, auch das "Tausend" nicht. So umwerfend das Interieur ist, so schlecht ist leider der Service.

Die Kellnerin erinnert an die junge Brigitte Bardot, lächelt geheimnisvoll - und sagt: nichts. Schnell wird klar, die schöne Schnute ist des Deutschen nicht mächtig und, des Übels nicht genug, anscheinend auch schwerhörig. "Pink Mojito" oder "Ginger Chio" versteht sie nicht, sondern muss mit dem Finger in der Getränkekarte darauf hingewiesen werden. Dass die Cocktails dann auch noch 30 Minuten auf sich warten lassen, überrascht wenig. "Es wird eine Bar für Erwachsene", kündigte Till Harter seine Bar vor Monaten an. Das gilt nicht nur auf das Vortrefflichste für das Publikum, zumeist ehemalige Nachtgestalten, die nun lieber Cocktails trinken, als Clubs unsicher zu machen. Aber auch der Barmann setzt seine Lesebrille auf, um die Bestellungen zu erkennen, und der DJ hat seine griffbereit auf der Glatze platziert.

Die "Tausend"-Bar ist das neueste Projekt vom "103". Anfangs ein gefeierter Club in der Friedrichstraße 103, der in einem Atemzug mit "Cookies" und "WMF" genannt wurde, eröffneten die Macher danach ihr "103"-Café an der Kastanienallee, das schnell zum Szenetreff avancierte und einen Türsteher brauchte. Vor zwei Jahren kam dann der "103"-Club am Schlesischen Tor dazu, doch die Mitte-Szene wollte nicht so recht nach Kreuzberg folgen.

Das "Tausend" liegt im Ausgeh-Epizentrum. "Grill Royal", "San Nicci" und "Cookies" sind nur ein paar Meter entfernt. Das "Tausend" rundet den Kiez rund um die Friedrichstraße perfekt ab. Nun kann die Jeunesse dorée im "Grill Royal" speisen, während ihre Eltern im benachbarten "San Nicci" Freunde treffen. Später nimmt man gemeinsam einen Drink im "Tausend" ein, und die Kinder gehen dann ins "Cookies" tanzen.

Adresse : Schiffbauerdamm 11, 10115 Berlin-Mitte, Tel. 41 71 53 96, Öffnungszeiten: Mi.-Sbd. ab 20 Uhr

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