Museumsinsel: Kolonnaden als neuer Eingang

Nach jahrelangem Streit um die äußere Form eines neuen zentralen Eingangsgebäudes für die Berliner Museumsinsel hat der britische Architekt David Chipperfield seinen überarbeiteten Entwurf gestern der Öffentlichkeit präsentiert.

Nach jahrelangem Streit um die äußere Form eines neuen zentralen Eingangsgebäudes für die Berliner Museumsinsel hat der britische Architekt David Chipperfield seinen überarbeiteten Entwurf gestern der Öffentlichkeit präsentiert. Die James-Simon-Galerie soll als Kolonnaden-Bau an das Pergamonmuseum anschließen. Gegen die ursprünglichen Planungen Chipperfields hatte es heftige Proteste gegeben.

In dem überarbeiteten Entwurf seien öffentliche Kritik sowie eine veränderte Planung für den Um- und Ausbau der Museumsinsel berücksichtigt worden, sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann. Im Januar hatte der Bundestag entschieden, den auf 73 Millionen Euro bezifferten Bau vorzuziehen und nicht erst nach der Renovierung aller Museen auf der Insel in Angriff zu nehmen. Die Berliner Denkmalschutzbehörde sowie der Internationale Rat für Denkmalpflege (Icomos), der der Unesco Empfehlungen zur Wahrung des Weltkulturerbes gibt, hätten dem Entwurf bereits zugestimmt, sagte der Stiftungspräsident. Friedrich August Stüler habe Mitte des 19. Jahrhunderts, als er den Bebauungsplan für die Museumsinsel entwarf, mit dem alten Packhof planen müssen. Dessen Fläche wurde erst 1939 frei. "Doch es gab schon immer Pläne für einen Erweiterungsbau an dieser Stelle", so Lehmann. "Das Gebäude, das ab 2009 zwischen dem Kupfergraben und dem Neuen Museum gebaut werden und ab 2012 das Pergamonmuseum, das Alte Museum und das Neue Museum erschließen soll, ist vor allem wesentlich transparenter als Chipperfields alter Entwurf. So lässt er jetzt durch den filigranen Kolonnaden-Bau, der zum Teil verglast werden soll, den Blick auf das Neue Museum zu. "Wir sind heute eine Versammlung ästhetischer Konvertiten", kommentierte auch der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, und räumte ein, dass dem ursprünglichen Entwurf "die Würde fehlte, die einer Tempelstadt angemessen ist". Chipperfield sei es nun auf geniale Weise gelungen, die Fassade am Spreekanal zu vollenden und die Lücke auf der Museumsinsel zu schließen. "Und das Ganze, ohne zu historisieren, sondern in einer modernen Formensprache", sagte Schuster.

Chipperfield wies darauf hin, angesichts der zu erwartenden Besuchermassen - die Stiftung Preußischer Kulturbesitz rechnet mit jährlich vier Millionen Besuchern - sei klar gewesen, dass ein Gebäude für die zentralen Service-Bereiche wie Garderobe, Toiletten, Restaurant und Shops, aber auch für Seminar- und Auditoriumsräume zwingend erforderlich sei. Im massiven Sockelbau der Kolonnaden direkt am Wasser sollen diese Bereiche künftig auf zwei Ebenen Platz finden. Die nach dem Stifter der Nofretete-Büste James Simon (1851-1932) benannte Galerie soll über eine Freitreppe zugänglich sein und den Besuchern als öffentlicher Raum eine erste Orientierung auf der Museumsinsel ermöglichen, sagte Chipperfield. "Das Neue Museum hätte diese Funktionen niemals aufnehmen können", sagte der Brite. Chipperfield ist nicht nur mit den Planungen für den zentralen Eingangsbereich, sondern auch mit dem Wiederaufbau des Neuen Museums betraut, das 2008 fertiggestellt werden soll.

Gegen die ursprünglichen Planungen aus dem Jahr 2001 hatte es heftige Proteste gegeben. Die Bürgerinitiative "Rettet die Museumsinsel", der sich unter anderem TV-Moderator Günther Jauch angeschlossen hat, will eine historische Rekonstruktion und strebt ein Volksbegehren an. "6000 Stimmen haben wir bereits gesammelt", sagte Sprecherin Annette Ahme, die gestern ebenfalls zur Präsentation ins Pergamonmuseum gekommen war. "Chipperfield hat sich Mühe gegeben, und der Entwurf ist auch sehr viel besser geworden", sagte Ahme. Die Initiative werde beraten, ob sie weiter an dem Volksbegehren festhalten wolle. "Wir machen wahrscheinlich weiter."