Demonstration

Randalierer zerstören Pogrom-Ausstellung

Der Schüler-Protest für bessere Bildungsbedingungen endete gestern mit Verwüstungen in der Humboldt-Universität (HU). Aus dem Demonstrationszug der gegen Mittag wegen einer Kundgebung am Bebelplatz stoppte, lösten sich nach Polizeiangaben etwa 1000 Personen, um das nahe gelegene Hauptgebäude der Humboldt-Universität Unter den Linden zu stürmen.

In den folgenden Minuten wurden der Vorplatz der Universität samt Bäumen sowie der Eingangsbereich massiv durch verteiltes Toilettenpapier, Flyer und Aufkleber beschmutzt. Bücher und auch Möbelstücke flogen aus den Fenstern. Ein Laptop wurde gestohlen.

Im ersten Stock rissen die Randalierer neun Feuerlöscher aus den Verankerungen, um den Inhalt in den Gängen zu verteilen. Uni-Mitarbeiter stellten sich schützend vor die Büsten von Geistesgrößen in den Gängen.

Laut Beobachtungen von Mitarbeitern der Universität handelte es sich bei den Randalierern nicht nur um Schüler, es mischten sich auch immer wieder schwarz Vermummte unter die Protestler. Immer wieder wurden Parolen gerufen: "Laufdemos allein bringen nichts!", und: "Wir müssen uns sichtbarer einbringen!". Die Schüler drangen in den Senatssaal der Humboldt-Uni ein und besetzten dort die Terrasse. Zuvor hatten die Demonstranten erfolglos versucht, die Tür zum Büro des Universitäts-Präsidenten Christoph Markschies aufzubrechen, der sich dort verschanzt hielt.

Die im Foyer der Universität gezeigte Ausstellung zur Pogromnacht wurde laut Polizei ebenfalls erheblich von den Randalierern beschädigt. In Absprache mit der Leitung der HU griff die Polizei zunächst nicht ein, um eine Eskalation zu verhindern. Nach etwa zwanzig Minuten verließen die Störer das Gebäude von selbst wieder. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs, Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Von mehreren Personen wurden die Personalien aufgenommen.

Bundesweit gegen Turbo-Abitur

Gegen 15.30 Uhr wurde das Personal durch die Leitung der Hochschule zum Verlassen des Hauptgebäudes aufgefordert. Dies berichtet ein wissenschaftlicher Mitarbeiter. Der Grund war, dass das Pulver aus den Feuerlöschern schädlich für die Gesundheit sein kann. Alle weiteren Seminare im Hauptgebäude mussten ausfallen.

Die Erzieherin Sylvia Böttger war auch an dem eigentlich friedlichen Protestzug beteiligt. "Ich finde es schade, dass randaliert wurde", sagt sie, als sie die verunstaltete Universität sieht. Zwar könne sie die Wut der jungen Leute ein Stück weit nachvollziehen, hätte aber kein Verständnis für die Art und Weise, in der einige dies kundtun.

Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich insgesamt 10 000 Schüler und auch Lehrer an der Demonstration. Der Schülerstreik fand im Rahmen einer bundesweiten Aktion statt. Im gesamten Bundesgebiet protestierten etwa 100 000 Menschen für bessere Bildungsbedingungen. Auf den Transparenten forderten die Jugendlichen in Berlin die Rücknahme des Turbo-Abiturs in zwölf Jahren, mehr Lehrer, kleinere Klassen und kostenlose Bildung für alle. "Wir haben in einem Fach ständig bei wechselnden Vertretungslehrern Unterricht", sagte die 18-jährige Ecem Dilek vom Oberstufenzentrum Mode und Bekleidung, die sich auch an dem Protestzug beteiligte. Ihre Mitschülerin Tugba Kaya findet, dass Schulbücher kostenlos sein müssten.

Der Sprecher der Landesschülervertretung Niklas Wuchenauer kritisierte, dass der Bildungsgipfel nur leere Worthülsen gebracht habe, auf die Forderungen der Schüler würde die Politik nicht eingehen.

Viele Lehrer und Erzieher unterstützten den Schülerstreik. Mieke Senftleben, bildungspolitische Sprecherin der FDP, kritisierte, dass die Aktion ausgerechnet in der Unterrichtszeit stattfand. Glaubwürdiger wäre eine Demonstration nach der Schule gewesen. Zu unterstützen sei die Forderung nach weniger Stunden für das 12-jährige Abitur. Der bildungspolitische Sprecher der Linkspartei, Steffen Zillich, solidarisierte sich mit der Forderung nach kostenloser Bildung für alle.