Experten: Lehrer sollen vor Scientology warnen

Wie gefährlich ist die Scientology-Organisation? Diese Frage beschäftigt Experten seit Tagen vor dem Hindergrund der Eröffnung einer neuen Scientology-Zentrale in Charlottenburg.

Wie gefährlich ist die Scientology-Organisation? Diese Frage beschäftigt Experten seit Tagen vor dem Hindergrund der Eröffnung einer neuen Scientology-Zentrale in Charlottenburg.

Andreas Komischke, Sektenbeauftragter des Erzbistums Berlin, sieht eine Gefahr für den Bürger: "Wer sich mit den Scientologen einlässt, kann viel Geld verlieren." Der Landesregierung legt er nahe, an Schulen und der nahe gelegenen Technischen Universität verstärkt Aufklärung über die Ziele der Organisation zu leisten. Der evangelische Landesbischof Wolfgang Huber warnt vor dem Wirken der Scientology-Organisation, die unter Tarnnamen Nachhilfeunterricht für Schüler und Beratungsmöglichkeiten für Drogenkranke anbieten würde.

Auseinandersetzung mit Unterricht

Im Lehrplan des evangelischen Religionsunterrichts sei eine Auseinandersetzung mit Scientology im Zusammenhang mit Sekten vorgesehen, der Rahmenplan des Ethik-Unterrichts sei freier formuliert, sagt Martin Wein, Religions- und Ethiklehrer an der Elisabeth-Oberschule in Charlottenburg. Er selbst behandle das Thema jedes Jahr und zeige im Unterricht unter anderem einen Kurzfilm über Scientology, in dem Aussteiger über ihre Erfahrungen berichten. Die Entscheidung und die Kompetenz, Scientology im Schulunterricht zu behandeln, liege jedoch bei den Schulen, so Kenneth Frisse, Sprecher der Bildungsverwaltung des Senats.

Der Jurist und Scientology-Experte Arnd Diringer sagte gestern in einem Gespräch der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin, dass sich in den Scientology-Schriften "Ansätze finden, die auf verfassungswidrige Tendenzen hinweisen". Es werde massive Demokratiekritik propagiert und ein Wahrheitsanspruch, der jegliche Abweichung von der Scientology-Lehre untersagt. Laut EZW-Referent Michael Utsch versuche die Organisation seit Jahren relativ erfolglos, hierzulande neue Anhänger zu gewinnen. Die EZW rechnet mit 150 bis 180 Anhängern in Berlin. Die Öffentlichkeit wisse recht gut Bescheid über die Organisation. "Man ist einfach nicht mehr bereit, sich auf ein Gespräch einzulassen, das in einem Rhetorik-Mix der Zeugen Jehovas und einem Direktvertrieb für Parfüm daherkommt", so Utsch.

Verfassungsschutz soll beobachten

Scientology verfolge neben weltanschaulichen aber auch machtpolitische Ziele. Wenn die Organisation in Berlin dauerhaft aktiv bleibe, sei eine erneute Beobachtung durch den Verfassungsschutz ratsam, fordert Utsch.

Thomas Kleineidam, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, warnt indes vor Aktionismus: Bei kriminellem Handeln der Organisation sei die Strafjustiz gefordert, bei verfassungsfeindlichen Bestrebungen der Verfassungsschutz. In der öffentlichen Debatte werde dies vermengt.