Interview

"Berlin wird wieder eine arme Stadt"

Vor knapp zwei Jahren hatten die amerikanischen Investoren Fred Langhammer und Ronald S. Lauder ihr Projekt für den Flughafen Tempelhof vorgestellt. Sie wollten 350 Millionen Euro in die Einrichtung eines ambulanten Gesundheitszentrums mit Kongresszentrum bei Erhalt des privaten Flugverkehrs investieren.

Der Senat lehnte ab und hielt an der Schließung des Flughafens fest. Der amerikanische Kunstsammler, Kosmetikhersteller, Präsident des jüdischen Weltkongresses und Milliardär Lauder reagierte verärgert und enttäuscht. Wenige Tage vor der Schließung Tempelhofs sprachen Brigitte Schmiemann und Katrin Schoelkopf mit ihm.

Berliner Morgenpost:

Herr Lauder, wo sind Sie in Berlin gelandet?

Ronald S. Lauder:

In Tempelhof.

Das wird in zwei Wochen nicht mehr möglich sein, denn der Flughafen wird am 30. Oktober um 23.59 Uhr geschlossen. Haben Sie das für möglich gehalten?

Nein, denn die Schließung macht überhaupt keinen ökonomischen Sinn. Das passiert aus purer Arroganz. Denn was bekommt Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit für die Schließung? Nichts. Im Gegenteil, Berlin muss zwölf Millionen Euro im Jahr für die Unterhaltung des Gebäudes und der Fläche bezahlen. Und diese Kosten werden steigen, denn das Gebäude wird mit zunehmendem Alter baufälliger.

Sie wollten solange um Tempelhof kämpfen, bis Sie gewinnen. Sie haben verloren. Warum?

Wir haben aus einem einzigen Grund verloren, und der heißt Klaus Wowereit. Der Regierende Bürgermeister macht den Flughafen zu. Das, was die Berliner wollten, war ihm egal. Ich habe das nie verstanden. Eine Gefährdung des neuen Flughafens in Schönefeld besteht nicht. Man kann Tempelhof durchaus offen lassen. Ich habe auch nicht verstanden, warum Wowereit das Angebot von Kanzleramtsminister Thomas de Maizière, die Defizite des Flughafens bis zur Eröffnung des neuen Flughafens in Schönefeld zu übernehmen, ausgeschlagen hat. Das ist arrogant, und Arroganz kostet letztlich Geld.

Was meinen Sie damit?

Wir haben derzeit weltweit eine Finanzkrise. Das ist ein Desaster, insbesondere für die Städte. Ich hab in New York gesehen, was passiert. Es kommen weniger Touristen, die Restaurants sind leer. Berlin wird die Finanzkrise fünfmal stärker treffen. Berlin hat kaum Industrie und lebt unter anderem vom Tourismus. Der aber wird wegen der Krise immer schwächer werden. Berlin wird weiterhin viel Geld für seine Arbeitslosen ausgeben müssen und weniger Einnahmen durch Berufstätige haben. Ich fürchte, dass Berlin immer ärmer wird. In so einer Zeit braucht Berlin jeden Euro, den es bekommen kann.

Sie meinen Ihr Investitionsangebot von 350 Millionen Euro?

Ja. Wir hätten mit unserem Investment für ein ambulantes Gesundheitszentrum mit angeschlossenem Flughafen für 2000 bis 3000 feste und 2000 weitere saisonale Arbeitsplätze gesorgt. Das hätte Steuern in die öffentliche Kasse gebracht. Wowereit zerstört mit der geplanten Entwidmung des Flughafens die Zukunftschancen der Stadt und verbaut sich mit der Aufgabe der Start- und Landebahnen alle Optionen. Denn durch die Weltwirtschaftskrise wird die ohnehin schwierige Suche nach Investoren für das Flughafenareal und das Gebäude nicht einfacher. Es wird keiner kommen, der das Gelände entwickelt. Vor kurzem war eine Gruppe von Bürgermeistern in New York. Die konnten überhaupt nicht verstehen, dass Berlin seinen Flughafen im Zentrum der Stadt dichtmacht.

Der Senat aber plant in Tempelhof eine Internationale Bau- und Gartenbauausstellung und sucht Investoren. Was halten Sie davon?

Das ist ein wundervolles Projekt, aber für einen anderen Ort. Tempelhof ist ein Flughafen. Dieser Flughafen ist einmalig und sollte deshalb Flughafen bleiben. Eines Tages wird Wowereit merken, dass es ein Fehler war, Tempelhof zu schließen.

Wie fühlen Sie sich in Berlin, nachdem ihr Projekt abgewiesen wurde?

Ich liebe Berlin immer noch, aber ich hasse es, sehen zu müssen, wie Berlin wieder die arme Stadt wird, die sie einmal war und die am staatlichen Tropf hängt. Dafür ist Berlin eigentlich zu schade.

Ist das nicht etwas zu pessimistisch?

Nein, ich weiß, dass es so kommen wird.

Steht Ihr Investitionsangebot denn noch - auch vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise?

Ich wäre da sehr vorsichtig, denn die Zeiten haben sich geändert. Aber ich glaube nach wie vor daran, dass man in Tempelhof etwas Fabelhaftes machen kann. Wir könnten einen großartigen Flughafen beibehalten und gleichzeitig Arbeitsplätze schaffen. Es würde ein wichtiges Zentrum in Berlin entstehen. Sollte Wowereit seine Schließungsanordnung zurücknehmen, würde ich meine Kritik aufgeben. Tempelhof ist auch ein Symbol für Berlin als Verbindung zu den Vereinigten Staaten von Amerika.

Wo werden Sie, wenn der Flughafen geschlossen wird, sein?

Ich bin in Berlin.

Sind Sie zu der Abschiedsparty für 800 geladene Gäste, mit der die Flughafengesellschaft das Ende von Tempelhof würdigt, eingeladen?

Nein, das bin ich nicht. Ich halte überhaupt nichts von dieser Party.