Mozart unter Polizeischutz

Die im September wegen möglicher islamistischer Drohungen abgesetzte Mozart-Oper "Idomeneo" ist gestern Abend mit halbstündiger Verspätung unter dem Schutz von 150 Polizeibeamten mit umfangreichen Objekt- und Personenkontrollen an der Deutschen Oper wiederaufgeführt worden.

Die im September wegen möglicher islamistischer Drohungen abgesetzte Mozart-Oper "Idomeneo" ist gestern Abend mit halbstündiger Verspätung unter dem Schutz von 150 Polizeibeamten mit umfangreichen Objekt- und Personenkontrollen an der Deutschen Oper wiederaufgeführt worden. Auf Scharfschützen war allerdings verzichtet worden. Zur Veranstaltung kamen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, Kulturstaatsminister Bernd Neumann (beide CDU) sowie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Innenminister Schäuble hatte alle Mitglieder der Deutschen Islam-Konferenz eingeladen. Die Vertreter von sechs der 15 muslimischen Verbände blieben allerdings der Aufführung fern. Neumann nannte die Schlussszene der Oper "geschmacklos", aber die Freiheit der Kunst müsse überall gelten. "Es ist wichtig, dass die Oper wieder auf den Spielplan gesetzt wurde", betonte Wowereit. Schäuble wollte keinen Kommentar abgeben, trat aber demonstrativ mit Intendantin Kirsten Harms vor die Presse.

Muslime lehnen Opernbesuch ab

Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, und der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, hatten gesagt, sie wollten sich die umstrittene Inszenierung nicht ansehen. Der Vorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, hatte diese Absagen kritisiert. Auch die Anwältin Seyran Ates und Migrationsforscherin Necla Kelek wandten sich gegen das Fernbleiben. Dagegen äußerten Vertreter aus beiden großen christlichen Kirchen Verständnis für die Entscheidung prominenter Muslime. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, nannte die Neuenfels-Inszenierung ein "religionsfeindliches Spektakel". Die Bischöfin des Sprengels Holstein-Lübeck, Bärbel Wartenberg-Potter, sagte, die "aufklärerische Pose" der Opernszene, in der die abgeschlagenen Köpfe von Religionsführern wie Jesus und Mohammed gezeigt werden, habe eine "menschenverachtende Seite".

Die gestrige Aufführung fand unter Polizeischutz statt, obwohl im Laufe des Tages weder der Polizei noch dem Staatsschutz Hinweise auf eine Gefährdung vorlagen. "Noch nie haben wir eine Opernveranstaltung derart abgesichert", sagte Polizeisprecher Bernhard Schodrowski.

Sperrgitter und Bombenspürhunde

Zu den umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen zählte unter anderem eine akribische Durchsuchung des Operngebäudes mit Sicherheitsexperten und Bombenspürhunden. Der Einlassbereich der Oper wurde mit Sperrgittern gesichert, die Gäste der Aufführung mussten Sicherheitsschleusen passieren. Wegen der aufwendigen Einlasskontrollen mussten Besucher mit längeren Wartezeiten rechnen. Trotz erheblicher Sicherheitsbedenken und Sicherungsmaßnahmen soll die umstrittene Inszenierung noch einmal am 29. Dezember an der Deutschen Oper aufgeführt werden.