Guten Morgen, Verfassungsrichter!

Carsten Fiedler

Sicher können Sie sich einen schöneren Start in die Woche vorstellen, als sich mit einer auf den ersten Blick aberwitzigen CDU-Posse aus Steglitz-Zehlendorf herumplagen zu müssen. Da feuert das Klägerduo Mierendorff & Manske einen unappetitlichen Machtkampf in der Südwest-Union an - weil es glaubt, zu Unrecht als Kandidaten für die Wahl des Abgeordnetenhauses 2001 abgesägt worden zu sein. Ein Schauer überfällt vielleicht auch Sie unter Ihren Roben, wenn Sie sich den möglichen letzten Akt dieser innerparteilichen Schlammschlacht vor Augen führen: Der Pöstchen-Poker könnte zu Neuwahlen im Südwesten und in letzter Konsequenz sogar in ganz Berlin führen. Es liegt in Ihrer Hand - das zeigt die 1993 von Ihren Hamburger Kollegen annullierte Wahl zur Bürgerschaft.

Was für ein Kuddelmuddel, welch ein Spektakel! Am Nikolaustag wollen Sie Ihr Urteil sprechen, wir warten also auf die vorweihnachtliche Bescherung. Was nicht auf unserem Wunschzettel steht, sind Neuwahlen, die ausschließlich durch eine dilettantische Kandidatenaufstellung eines Kreisverbandes herbeigeführt würden. Auch deshalb nicht, weil dann ja für jede Partei der Anreiz bestünde, vor einer Wahl bewusst Anfechtungsgründe beim Nominierungsverfahren einzubauen. Nicht auszudenken, was uns dann bevorstünde.