Christian Anders blamiert sich

Mal ehrlich, Kompliment, liebe Berliner. Sie haben am Pfingstsonntag einem armseligen Möchtegern-Promi gezeigt, dass man Sie nicht veräppeln kann. Und schon gar nicht zu geschmacklosen Veranstaltungen locken kann!

Sänger Christian Anders , ja richtig, der Mann, der sich 1994 nackt an die Eingangstür der Justizvollzugsanstalt Aschaffenburg kettete, um für die Freilassung seines dort (wegen Falschgeld-Transfers) inhaftierten Bruders Dieter zu demonstrieren. Der Mann, der im Jahr 2001 durch einen angeblichen Vertrag seine Freundin Jenna einem Bochumer Millionär für ein Jahr gegen Zahlung von 500 000 Mark «überlassen» wollte. Der Christian Anders («Es fährt ein Zug nach Nirgendwo») also versuchte Pfingstsonntag noch einmal Gehör zu finden. Mit einer an Geschmack- und Niveaulosigkeit nicht mehr zu übertreffenden Aktion am Alexanderplatz. «Um 11 Uhr schneidet sich Christian Anders bei einer Großdemonstration für den Tierschutz die Kehle mit einem scharfen Messer durch», ließ der inzwischen ins Nichts abgetauchte Schlagersänger mit Hilfe seines Berliner Kollegen Andy Moor per Fax verlauten. «Auch seine Freundin Jenna wird anwesend sein. Erwartet werden mehrere hunderttausend Menschen», ließ uns die «Moor-Production Berlin» mit angehängten freundlichen Grüßen wissen.

Ein peinlicher Wunschtraum. 25 Zuschauer zählte die Polizei um 10.52 Uhr am Alex, gegen Ende, um 12.20 Uhr, seien es etwa achtzig gewesen. Und die mussten zuschauen, wie Christian Anders so tat, als nehme er sich das Leben. So weit, so lächerlich - und auch traurig. Nach der Demo wurde es noch besser. «Christian sagte mir, ich solle behaupten, das sei alles echt gewesen, er habe sich in die Kehle geschnitten und Blut sei geflossen», erzählt Andy Moor. «Ich hab ihm gesagt, das mache ich nicht. Du bist doch ein Vollidiot, das ist geschmacklos, man sollte dich in die Klapse bringen.»

Andy Moor will mit der Aktion von Anders nichts mehr zu tun haben. «Es war als Werbegag zur Veranschaulichung des Schächtens von Tieren gedacht. Jetzt tut Christian so, als habe er sich wirklich die Kehle angeschnitten. Da mache ich nicht mit», sagt Andy Moor. Gut so, aber es ist wie so oft. Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen. mut