Von Bayern bis Sachsen-Anhalt: Wie sich die Länder in der Hauptstadt präsentieren

Die erste Landesvertretung, die sich in Berlin niederließ, waren die Bayern . Sie suchten sich in der Behrenstraße das in den Jahren von 1896 bis 1914 für den Allgemeinen Schaaffhausenschen Bankverein errichtete Gebäude aus (Architekten: Bielenberg/Moser) und bauten es vollständig um. Gesamtkosten 34,56 Millionen Euro. Die Bauarbeiten begannen Ende 1996, die neue Landesvertretung wurde am 10. Dezember 1998 eingeweiht.

Thüringen war die erste Vertretung aus den neuen Bundesländern, die am 18. Juli 1999 in der Mohrenstraße 64 das Thüringenhaus eröffnete. Kosten für den Gesamtkomplex: 12,36 Mio. Euro. Ein steinerner Bürohauskubus sowie ein eingeschobenes transparentes Bauteil mit Durchblick zum Hof vervollständigen das Ensemble. Zentrum des Hauses und Synonym für Thüringen («Grünes Herz Deutschlands») ist der Baum im Grünhof.

Als dritte eröffnete die Landesvertretung Bremen im Diplomatenviertel am Südrand des Tiergartens am 10. September 1999 in der Hiroshimastraße 24 ihre Pforten. Aus dem Spannungsfeld von offener, aber dichter Villenstruktur und geschlossener Berliner Blockrandbebauung entstand die architektonische Konzeption für den Neubau, ein Ensemble aus zwei Gebäuden mit unterschiedlichem Aufmaß und unterschiedlicher Höhe. Die Kosten für den Neubau lagen bei 15,3 Millionen Euro.

Als viertes Land hatte Sachsen eine Repräsentanz. Der Freistaat eröffnete am 15. März 2000 sein Haus in der Brüderstraße 11-12. Das 1905 als Kontor der Vereinigten Berliner Versicherungsanstalt von den Architekten Reimer und Körtel errichtete Gebäude wurde für 11,25 Mio. Euro umgebaut. In ihm war bis 1989 die Staatliche Versicherung der DDR untergebracht. Im August 1998 begannen die Renovierungs- und Umbauarbeiten.

Baden-Württemberg lud am 30. Juni 2000 zur Eröffnung. Geld spielte keine Rolle: Neben den 28,12 Millionen Euro für den Neubau blätterten die Badener und Schwaben auch noch 14,32 Millionen Euro für das Grundstück hin.

Hamburg folgte am 12. Oktober 2000 mit der Jägerstraße 1-3. Das Grundstück liegt mitten im Regierungsviertel nahe vieler Ministerien, Botschaften und Redaktionen. Das repräsentative Gebäude wurde 1892 vom Club von Berlin erbaut, gehörte später dem Kulturbund der DDR und steht heute unter Denkmalschutz. 17,38 Mio. Euro kostete die Landesvertretung.

Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und das Saarland haben die Neubauten ihrer Landesvertretungen in enger Kooperation auf den ehemaligen Ministergärten in Berlin-Mitte errichtet. Der 7000 Quadratmeter große Garten und die Tiefgarage werden gemeinsam genutzt, wie auch die zentralen Technikeinrichtungen und die Nachtpforte. Niedersachsen und Schleswig-Holstein finanzierten einen Gemeinschaftsbau, während Rheinland-Pfalz und das Saarland je ein eigenes Haus haben. Am 18. Dezember 2000 eröffnete Rheinland-Pfalz mit der Adresse In den Ministergärten 6 seine Vertretung. Das Bundesland gab dafür 21,99 Mio. Euro aus. Die von Heinle, Wischer und Partner entworfene Landesvertretung öffnet sich breit zur Straße und gibt den Blick frei in sein Innenleben.

Das kleine Saarland ließ sich seine Vertretung In den Ministergärten 4 rund 20,45 Mio. Euro kosten. Gebaut wurde vom saarländischen Architekturbüro Alt + Britz. Am 25. Januar 2001 war Eröffnung.

Hessen folgte am 31. Mai 2001 und gab ebenfalls 20,45 Mio. Euro aus. In unmittelbarer Nähe der saarländischen Villa steht In den Ministergärten 5 eine moderne, einladende Stadtvilla mit insgesamt fünf Geschossen, gestaltet mit hellem Naturstein, viel Holz und begrünten Dächern. Das Gebäude ist das Ergebnis eines 1998 europaweit ausgelobten Wettbewerbs, bei dem unter insgesamt 536 eingesandten Entwürfen die Frankfurter Architekten Michael Christl und Joachim Bruchhäuser den Sieg davontrugen.

Am 28. Juni des gleichen Jahres waren es dann Niedersachsen und Schleswig-Holstein , die sich zusammengetan hatten und ihre Vertretungen eröffneten. Beide Länder finanzierten auch das Grundstück In den Ministergärten 10 sowie den Neubau. Zusammen zahlten sie 30,68 Mio. Euro. Auch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern teilten sich die Kosten von 18,41 Mio. Euro und zogen In den Ministergärten 1 in ein gemeinsames Haus. Eröffnung war am 18. Oktober 2001.

Nach der am Donnerstag erfolgten Eröffnung der Landesvertretung von Nordrhein-Westfalen fehlt nun nur noch Sachsen-Anhalt . Dieses Bundesland will im März 2003 für rund 22,9 Mio. Euro am Standort des ehemaligen Künstlerklubs «Die Möwe» in der Luisenstraße 18 seine Vertretung eröffnen.