Treffpunkt

Volksbühne vor dem Rathaus

Es reicht ein Sonnenstrahl - und der Rathaus-Vorplatz füllt sich, ob im Sommer oder Herbst. Alte Ehepaare sitzen, die Hände über dem Bauch verschränkt, friedlich schweigend auf den Stühlen. Manche essen Eis, andere knacken Sonnenblumenkerne auf den Rathaus-Stufen und schauen den schönen Mädchen nach, die auf der Karl-Marx-Straße flanieren.

Die stolze Bürger-Burg mit Zinnen und 67 Meter hohem Turm leistete sich Neukölln (damals noch Rixdorf genannt) ab 1906, für die feudale Summe von 1,5 Millionen Mark. Die Pläne stammen von Neuköllns Stadtbaurat Reinhold Kiehl (1874-1913).

Vom Turm aus überschaut die "Fortuna" von Bildhauer Josef Rauch ihr Revier. Die 2,20 Meter hohe Glücksgöttin bewegt sich, dreht sich mit dem Wind - wohin sie zeigt, sagt man, fällt das Glück. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs war es auch in Neukölln mit Glück und Fortuna vorbei, die Figur wurde stark beschädigt. Der Vorplatz, den sich Kiehl wünschte, konnte erst nach dem Wiederaufbau 1953 gestaltet werden.

Treffpunkt Nummer zwei - hier herrscht Hektik statt Ruhe, Gedränge statt gemächlichem Betrachten: der berühmte Markt ("BiOriental" - oder "Türkenmarkt") am Maybachufer, den viele zum Ärger der Neuköllner zu Kreuzberg zählen. Jeden Dienstag und Freitag mühen sich hier Hausfrauen mit Kopftuch und Schnäppchenjäger an Pyramiden aus Wassermelonen und Schuhständen vorbei. Angebot: Obst und Gemüse (preiswert), Fleisch, Fisch, Käse, orientalische Spezialitäten in unglaublichen Farben, Kleidung (auch unglaubliche Farben), Plunder, alles.