Polizei kündigt härtere Gangart gegen Tempo-Sünder an

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Rüdiger Finke

Raserei hat in diesem Jahr auf Berlins Straßen schon zwölf Menschen das Leben gekostet. Zu hohes Tempo gehört nach wie vor zu den Hauptunfallursachen. Jetzt will die Polizei mit verstärkten Radarkontrollen für mehr Sicherheit sorgen. Tag und Nacht sind die Messgeräte im Einsatz.

Bürgerbefragungen durch die Polizei haben ergeben, dass die Angst der Berliner vor einem Verkehrsunfall noch vor der Furcht vor Verbrechen rangiert. Deshalb hat die Behördenleitung Verkehrssündern und insbesondere Rasern den Kampf angesagt. Wie wichtig die Tempokontrollen sind, zeigen die Überwachungsergebnisse für den Monat Juli: Nach der offiziellen Statistik der Polizei wurden allein in diesem einen Monat 91 796 Tempoverstöße festgestellt. 4641 Auto- und Motorradfahrer waren dabei mindestens 20 Kilometer pro Stunde schneller als erlaubt.

Experten erwarten, dass in diesem Jahr durch intensivere Kontrollen mehr als eine Million Fahrer bei Tempoverstößen ertappt werden und dafür in die Geldbörse greifen müssen. Im vergangenen Jahr hatten die Beamten des Zentralen Verkehrsdienstes mit 870 000 Temposündern bereits 170 000 mehr ertappt als noch im Jahr 2000.

«Die Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit oder ein nicht angepasstes Tempo gehören zu den Hauptunfallursachen. Großes menschliches Leid ist oft die Folge. Wir haben uns daher zum Ziel gesetzt, durch konsequente Kontrollen an ständig wechselnden Orten die Unfallrisiken zu senken und eine Steigerung des Gefahrenbewusstseins zu erreichen», teilt der Verkehrsdienst mit. Polizeipräsident Dieter Glietsch hatte bereits bei seiner Amtseinführung eine größere Verkehrssicherheit auf den Straßen der Hauptstadt als eines seiner wichtigsten Ziele genannt.

Seit Jahresbeginn dürfen die Direktionen selbst festlegen, wo sie Verkehrskontrollen vornehmen. Sie können damit schnell auf Unfallhäufungen reagieren. Zurzeit laufen unter anderem auf der Stadtautobahn verstärkte Überwachungen. Gezielt im Auge haben die Beamten den Baustellenbereich am Tegeltunnel sowie den Tunnel Ortskern Britz. Besonders nachts treten Autofahrer dort kräftig aufs Gaspedal. Neben Messgeräten, die für einige Zeit aufgestellt werden, kommen auch Zivilfahrzeuge der Polizei zum Einsatz. Die Beamten verfolgen und filmen Autofahrer bei ihren Verstößen. Dann werden die Verkehrssünder angehalten und bekommen sofort das Videoband vorgeführt. «Das hinterlässt bei vielen Betroffenen einen bleibenden Eindruck», berichtet ein Beamter.

Den Vorwurf, verstärkte Kontrollen seien «reine Abzocke», weist die Polizei zurück. Nach den Worten des Polizeivizepräsidenten Gerd Neubeck sind Bußgelder neben Fahrverboten oft die einzige Möglichkeit, etwas gegen rücksichtslose Verkehrsteilnehmer zu tun. Wer nicht zur Rechenschaft gezogen werde, ändere sein Verhalten nicht, sagte Neubeck jüngst.