Endlich wurde er gefasst: Der Räuber mit Aids-Spritze

Um 16.10 Uhr gestern Nachmittag war die Arbeit für die 100 Angehörigen der Fahndungsgruppe beendet. Die Taktik der Kripo, den Raubzügen des heroinabhängigen Rumänen durch die gezielte Überwachung von wichtigen U-Bahnhöfen und der Dealerszene ein Ende zu bereiten, war aufgegangen. Der Rumäne lief Zivilbeamten zweieinhalb Stunden nach seinen Taten Nummer zwölf und dreizehn direkt in die Arme.

«Die Beamten haben ihn auf dem Gehweg gesehen, verfolgt und auf dem Bahnsteig des U-Bahnhofs Reinickendorf festgenommen. Er hat sich nicht gewehrt oder einen Fluchtversuch unternommen, sondern sagte, er sei der Gesuchte und habe die Raubüberfälle begangen», teilte gestern Abend Ermittlungsleiter Kai Ditzel mit. Schon seit Mitte der vergangenen Woche jagte ein Großaufgebot der Polizei dem gefährlichen Räuber hinterher. Der Großeinsatz begann, nachdem der «Spritzenräuber» anhand zweier Fingerabdrücke als Casian B. identifiziert worden war.

«Der Mann ist vor zweieinhalb Jahren nach Berlin gekommen. Hier hat er jedoch zu niemandem mehr Kontakte unterhalten. Seine früheren Bekannten wollten von ihm schon lange nichts mehr wissen, weil er sie bestohlen hatte», teilte Kriminaloberrat Ditzel über den Festgenommen mit. Deshalb sei er schwer ausfindig zu machen gewesen. Für die Fahnder war jedoch klar, dass sich der abgemagerte und durch seine Sucht extrem geschwächte Mann mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt bewegt und vermutlich an den bekannten Umschlagplätzen Heroin kauft. Deshalb wurden diese Orte sowie U-Bahnhöfe überwacht, was schließlich zum Erfolg führte.

Wie sich gestern in der ersten Vernehmung herausstellte, war B. obdachlos. Seine Kleidung trug er in einem Rucksack bei sich. «Außerdem hatte er noch eine leere Spritze mit abgebrochener Nadel, Geld und einen Teelöffel sowie Fixerutensilien dabei», sagte Ditzel.

Eine mit Blut gefüllte Spritze wurde hingegen nicht gefunden. Bei den Überfällen hatte der 26-Jährige stets seine Opfer mit der Behauptung eingeschüchtert, er sei HIV-positiv und hatte mit einer Spritze gedroht, die angeblich infiziertes Blut enthalten sollte. Ob der Mann sich jedoch mit dem Aidsvirus angesteckt hat, stand gestern noch nicht fest. Sicher ist allerdings, dass B. mit Hepatitis-C infiziert ist.

Bei seinen 13 Überfällen hat der Räuber mehrere tausend Euro erbeutet. Obwohl er hochgradig heroinabhängig ist und wesentlich mehr Rauschgift am Tag braucht als die meisten Süchtigen, hätte das Geld für längere Zeit reichen müssen. «Offenbar hat er mit seiner Beute aber auch Schulden bezahlt, so dass er schnell neue Taten begehen musste», berichtete der Fahndungsleiter weiter.

Vor seiner Festnahme hatte der Rumäne gestern gegen 12.30 Uhr innerhalb nur weniger Minuten noch zwei Taten begangen: In einem Fußpflegesalon an der Bellermannstraße bedrohte er die Betreiberin Lucia Fitzgerald. «Er war sehr unruhig, und als ich ein paar Minuten brauchte, um überhaupt zu verstehen, was hier passiert, drohte er mit seiner Spritze», beschreibt sie die letzte Tat des Spritzenräubers. Zuvor hatte der Mann versucht, in einem Matratzengeschäft an der Hochstraße Geld zu bekommen. «Zuerst fragte er, ob man auch Matratzen auf Raten kaufen könne», sagt die Verkäuferin Silvia Thalheim, «doch dann zerrte er mich an sich.» Obwohl er die Spritze hinter seinem Rücken hervorholte, gab Frau Thalheim ihm kein Geld. «Er verschwand dann Richtung Pankstraße», berichtet die Frau. Passanten halfen ihr bei der Abwehr des Rumänen.