Für die DDR ist kein Platz im Schloss

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Dirk Westphal

Der Wiedereinbau von Teilen des Palastes der Republik innerhalb eines neuen Stadtschlosses wird immer unwahrscheinlicher. Nach dem Bundestagsvotum für eine Teilrekonstruktion des Berliner Schlosses gehen Experten davon aus, dass nur wenige oder gar keine Gegenstände in einem neuen Stadtschloss integriert werden.

«Hinter eine Barockfassade lassen sich kaum Gegenstände aus dem Palast aufstellen. Dies macht einfach keinen Sinn», erklärte gestern die Sprecherin der Bauverwaltung, Petra Reetz. Am Donnerstag hatte der Bundestag entschieden, einen Neubau in der Größe des alten Stadtschlosses zu errichten. An der West, Nord- und Südfassade soll die historische Fassade wieder errichtet und im Innern der nach seinem Baumeister benannte Schlüterhof rekonstruiert werden.

Reetz zufolge gehe es jetzt vor allem darum, den Palast «als zeitgeschichtlich prägendes Gebäude mit all seinen Reminiszenzen» für die Nachwelt aufzuzeichnen. Eine entsprechende Dokumentation sei in den letzten Monaten von den Denkmalschützern des Senats erstellt worden.

Der Verzicht auf das «Recycling» alter Palastelemente gilt jetzt offenbar selbst für jene Teile, die bis vor kurzem für eine Wiederverwendung genannt worden waren: etwa die Bestuhlung des ehedem im Palast untergebrachten Volkskammersaals. In dem Saal war 1990 das Ende der DDR eingeläutet und der Weg zur Deutschen Einheit mit vorbereitet worden. Das Mobiliar sollte deshalb bei einem Wiederaufbau genutzt werden. Bausenator Peter Strieder (SPD) sieht darin jedoch keine realistische Option mehr: «Wer auch immer das Schloss bezahlt, wird letztlich über eine solche Entscheidungsmacht verfügen, dass er das Drumherum bestimmt. Und ob dazu Einrichtungen der Volkskammer gehören, da habe ich so meine Zweifel», so Strieder im Fernsehen. Architektonisch und kulturgeschichtlich sei der Palast eher unbedeutend.

Wenig Chancen für einen Einbau alter Palastelemente sieht man auch bei CDU, FDP und den Grünen. «Ich sehe keinen Sinn darin, Teile dieses vergammelten Gebäudes in eine neue Zeit hinüberzuretten», meinte FDP-Fraktionschef Martin Lindner. Die grüne Bundestagsabgeordnete Franziska Eichstädt-Bohlig warnte vor einer Integration des Volkammersaals. Bereits der Kopie einer Schlossfassade hafte sehr viel Künstliches an.

Der Vorsitzende der Gesellschaft zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses, Wolfgang Harms, erklärte, dass die historische Fassade einer modernen Innennutzung mit variabel gestalteten Räumen nicht im Wege stehe. Ob darin jedoch altes Mobiliar stehen werde, sei fraglich. 25 Prozent der Nutzfläche sollten für Gastronomie und staatliche Repräsentationszwecke vorgehalten werden. Die restlichen 50 Prozent des bis zu 150 000 Quadratmeter großen Neubaus könnten für museale Zwecke oder Konzerte genutzt werden. Wie berichtet, sollen die völkerkundlichen Museen aus Dahlem sowie Sammlungen der Humboldt-Uni und eine Bibliothek in den Neubau ziehen.

Selbst die PDS, die jahrelang für den Erhalt des Palastes eingetreten war, hat sich offenbar schon von diesem verabschiedet. «Mit dem Volkskammersaal hatte das Volk der DDR wenig zu tun. Statt dessen sollte man darüber nachdenken, eventuell Teile des Foyers und des Großen Saals zu nutzen, wo sich die Menschen einst trafen», sagte die stellvertretende Bundestagsvorsitzende der PDS, Petra Pau.

Widerstand gegen eine Totalbeseitigung des Palastes kommt dagegen noch von der Initiative «Pro Palast», einer Verbindung ehemaliger Palast-Mitarbeiter. «Der Bundestag hat für eine neue Situation gesorgt. Dennoch fordern wir weiter, den Palast in die Neugestaltung des Schlossplatzes einzubeziehen», so deren Sprecher Rudolf Denner.