Hochbetrieb im Labor

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Tanja Kotlorz

Die Eier sehen harmlos aus. Wahrscheinlich sind sie es auch. Denn bisher haben die Lebensmittelkontrolleure im Berliner Institut für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen (ILAT) keine nitrofenhaltigen Eier oder Hähnchenschenkel gefunden. Dennoch läuft die Suche nach dem Krebs erregenden Pflanzenschutzmittel auf vollen Touren.

Zwischen 12 und 15 Uhr herrscht Hochbetrieb in dem Labor in Mitte an der Invalidenstraße 60. Lebensmittelinspekteure und Tierärzte liefern verdächtige Lebensmittel ab, die sie in Bioläden und Supermärkten gekauft haben - im Auftrag von Berlins oberster Gesundheitswächterin, Senatorin Heidi Knake-Werner (PDS).

Die Produkte landen in der Lebensmittelannahmestelle. Gerade stellt Bernd Barton, Lebensmittelkontrolleur im Gesundheitsamt Charlottenburg/Wilmersdorf, drei Pappkartons mit weißen und braunen Eiern auf den Tisch. Ob die Eier Nitrofen enthalten, wissen die Experten erst in etwa 30 Stunden.

Zunächst notiert die medizinisch-technische Assistentin Brigitte Krone, woher die Eier kommen und in welchem Zustand sie abgegeben wurden. Nun kommen die Eier in den vierten Stock ins Labor. Chemiker diagnostizieren: Wie sehen Form und Schale aus? Ans «Eingemachte» gehts im zweiten Stock. Laborant Daniel Ahl schlägt zehn Eier in ein Glas, verquirlt alles. Zehn Gramm füllt er in eine Mörserschale, gibt Natriumsulfat und Seesand dazu und zerstampft alles. Die Masse wird sechs Stunden ausgekocht. Zum Schluss kommt die Flüssigkeit in einen Gaschromatographen, einen Kasten, der das Nitrofen herausfiltern soll. Falls der Computer eine entsprechende Mitteilung aufzeigt, müssen Bezirksamt und Senatsgesundheitsverwaltung alarmiert werden. Noch waren alle Eier harmlos.

146 Tierärzte, Laboranten und Chemiker im ILAT untersuchen jährlich 20 000 Proben. Etwa 300 Pestizide können erfasst werden. Die «Bibel» ist die so genannte «Rückstandshöchstmengenverordnung für Pestizide». Für Nitrofen gilt: In einem Kilogramm Lebensmittel darf nur 0,01 Milligramm von dem Pflanzenschutzmittel enthalten sein. Also praktisch nichts.