Proteste

Stasi-Offiziere ersetzen Ex-Spionagechef Großmann

Ex-Stasi-General Werner Großmann hat seinen für Sonntag geplanten Vortrags-Auftritt auf einer Veranstaltung des Bezirksverbandes Lichtenberg der Linken abgesagt. Die Einladung an den letzten DDR-Spionagechef und Vize-Stasi-Minister war auf massive Proteste in der Berliner Parteienlandschaft und Institutionen gestoßen.

"Aus Krankheitsgründen kann Großmann nicht kommen", hieß es gestern in der Geschäftsstelle der Partei an der Alfred-Kowalke-Straße 14. Die Veranstaltung im Rahmen der traditionellen "Lichtenberger Sonntagsgespräche" der Linken finde dort aber wie vorgesehen statt. Als Gastredner seien nun die Ex-Obersten der Staatssicherheit, Klaus Eichner und Gotthold Schramm, eingeladen worden.

Der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, hatte den Landesvorsitzenden der Linken, Klaus Lederer, und Bezirkschefin Gesine Lötzsch am Dienstag aufgefordert, die Veranstaltung abzusagen. Er erklärte gestern: "Mit Genugtuung stelle ich fest, dass Herr Großmann offenbar zurückgezogen wurde."

Doch die neuen Referenten machten die Sache nicht besser, sondern eher noch schlimmer, so Knabe. Beide ehemalige Stasi-Offiziere seien heute an führender Stelle in geschichtsrevisionistischen Vereinigungen wie dem sogenannten Stasi-Insiderkomitee und der GRH (Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung e. V.) tätig. Eichner ist einer der Sprecher des Insider-Komitees und war zu DDR-Zeiten Chefauswerter in der sogenannten Gegenspionage im Ministerium für Staatssicherheit. Schramm sitzt im GRH-Vorstand und war als Abteilungsleiter der Stasi früher für die Vorbereitung von Sabotageakten zuständig. Auf einer GRH-Veranstaltung im Mai 2006 unterstellte er der Stasiakten-Behörde, einen "Wust von Lügen" zu verbreiten.

Knabe forderte gestern die Berliner Parteispitze erneut auf, die Veranstaltung am Sonntag abzusagen, ebenso der Lichtenberger SPD-Abgeordnete im Abgeordnetenhaus, Andreas Köhler. Er nannte die Einladung an die neuen Referenten "keinen Rückzieher, sondern eine Verschlimmbesserung". Frau Lötzsch sollte sich schämen, so Köhler, weiter so zu taktieren. Das sei den Opfern der Stasi nicht angemessen. Wenn sie wirklich einen Ausgleich und Aufarbeitung der Geschichte wolle, so müsse sie wenigstens mit den Opfern der Stasi ins Gespräch kommen.