Die Kraft kleinster Teilchen: Ehrung für Berliner Forscher

Der Mann hat wirklich Forschergeist. Der feste Glaube an die Kraft winzigster Teilchen und ein unerschütterliches Durchhaltevermögen haben den Berliner Biologen Andreas Jordan (49) zum Firmengründer, zum Hoffungsträger für krebskranke Menschen und zum geehrten Mann gemacht.

Der Mann hat wirklich Forschergeist. Der feste Glaube an die Kraft winzigster Teilchen und ein unerschütterliches Durchhaltevermögen haben den Berliner Biologen Andreas Jordan (49) zum Firmengründer, zum Hoffungsträger für krebskranke Menschen und zum geehrten Mann gemacht. Jordans Unternehmen mit dem Namen MagForce Nanotechnologies AG steht für einen "revolutionären und zukunftsweisenden Ansatz in der Krebstherapie", lobte gestern die Initiative "Deutschland - Land der Ideen". Das Unternehmen sei weltweit führend auf dem Gebiet der Krebstherapie mit Nanotechnologie.

Das patentierte Verfahren basiert darauf, dass Nanopartikel in das Krebsgewebe der Patienten injiziert und mit einem magnetischen Wechselfeld auf 42 bis 50 Grad erhitzt werden. Die Wärme zerstört die Tumorzellen. Die Machbarkeit und Sicherheit des Verfahrens ist bereits an mehr als 100 Patienten mit aggressiven Hirntumoren, Prostatakarzinomen und Speiseröhrenkrebs getestet worden. Zurzeit laufen klinische Studien der Phase zwei, welche die Wirksamkeit des Verfahrens beweisen sollen. Die Zulassung für das Verfahren erwarten die Forscher in zwei Jahren.

Gestern nun haben die Deutsche Bank und die Initiative "Deutschland - Land der Ideen" die Berliner Firma ausgezeichnet als "Ausgewählten Ort 2008". "Sie stehen für Innovation, für Teamarbeit und für Berlin", hob Christoph Westerburg, Direktor und Leiter des Marktgebiets Berlin-Brandenburg II bei der Deutschen Bank in seiner Dankesrede hervor. Jordans Verdienst sei es, dass er seine Idee 20 Jahre lang verfolgt und sie schließlich umgesetzt habe. Die Firma MagForce, mit Sitz auf dem Gelände der DRK-Kliniken in Charlottenburg am Spandauer Damm, kombiniere zudem "Wissen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen", sagte Westerburg. 50 Mitarbeiter aus unterschiedlichsten Berufen, darunter Biologen, Chemiker und Ärzte, arbeiten in dem Unternehmen. Jordan habe vor allem "über die Grenzen gedacht", sagte Westerburg.

Das Unternehmen MagForce Technologies AG sei ein "hervorragendes Beispiel dafür, dass es nicht ausreicht, eine innovative Idee zu haben, für ihre Umsetzung bedarf es kompetenter und begeisterungsfähiger Partner, und es braucht manchmal auch einen langen Atem", sagte Natalie Erdmann, Koordinatorin bei der Initiative "Deutschland - Land der Ideen". Jordan, der zwei Jahrzehnte gemeinsam mit Ärzten der Charité an seinem Vorhaben gearbeitet hat, habe gezeigt, wie notwendig es sei, "Visionen zu entwickeln und diese mutig und beharrlich zu verfolgen".

"Deutschland - Land der Ideen" sei ein Public-Private-Partnership-Modell zwischen Politik und Wirtschaft. Als gemeinsame Standortinitiative von Bundesregierung und deutscher Wirtschaft und unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten sei es das Ziel, ein positives Deutschlandbild im In- und Ausland zu vermitteln, skizzierte Erdmann. Die Kernbotschaft laute: "Deutschland ist führend durch Innovation." Auch der Berliner Biologe sei "führend durch einzigartige Forschungsarbeit", so Erdmann.

Wissenschaftler sehen in der Technologie der kleinsten Dinge - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter - ein riesiges Potenzial. Die Nanotechnik durchdringt bereits den Alltag. Werbung verspricht kratzfeste und saubere Beschichtungen bei Autos, Fenstern und Häuserfassaden. Auch in der Medizin gelten die Winzpartikel als Hoffungsträger. Der Forschungsansatz von Jordan, kleinste Eisenoxidpartikel in Tumorzellen zu spritzen, sie durch ein Magnetfeld zu erhitzen, wodurch das bösartige Gewebe verkocht, könnte die Krebstherapie revolutionieren. Nur bösartige Zellen werden zerstört, gesundes Gewebe aber geschont. "Die Methode lässt sich auf praktisch alle Tumore anwenden", sagt Jordan. Bei den Patienten, die an den Studien teilnehmen, gebe es "erste Erfolge".