Straße nur für Radfahrer in der City-West

Rosige Zeiten für Fahrradfahrer: Verkehrsstadträtin Martina Schmiedhofer (Grüne) will nach der Niederlage bei der Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung jetzt vor allem den nichtmotorisierten Verkehr unterstützen.

Rosige Zeiten für Fahrradfahrer: Verkehrsstadträtin Martina Schmiedhofer (Grüne) will nach der Niederlage bei der Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung jetzt vor allem den nichtmotorisierten Verkehr unterstützen. SPD und Grüne haben deshalb in einem ersten Schritt beschlossen, dass die Prinzregentenstraße zwischen Prager Platz und Handjerystraße in eine Fahrradstraße umgewidmet wird. Der Anliegerverkehr soll durch Zusatzschilder ermöglicht werden. Die Radfahrer können zudem hoffen, dass sie in Zukunft noch mehr Straßen zur exklusiven Benutzung erhalten.

In der jüngsten Bezirksverordneten-Versammlung (BVV) im Rathaus Wilmersdorf wurde gegen die Stimmen der CDU und bei Enthaltung der FDP entschieden zu prüfen, welche Straßen im Bezirk für ein Fahrradstraßennetz infrage kommen. Dabei soll mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz sowie dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club zusammengearbeitet werden. "Das Rad als ältestes und modernstes Verkehrsmittel mit Zukunft ist ökologisch und gerade in der Stadt schnell. Deshalb sollen Radfahrer sichere Wege haben", fordert Roland Prejawa, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion in der BVV.

Die Teufelsseechaussee ist seit Ende August die erste Fahrradstraße des Bezirkes, hier haben Radler Vorrang und dürfen auch nebeneinander fahren. Autoverkehr ist nur als Anliegerverkehr erlaubt. Auch die Alberichstraße (Biesdorf), die Norweger Straße (Prenzlauer Berg) und die Max-Beer-Straße (Mitte) sind nach Auskunft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bereits den Radlern gewidmet.

Auch der Plan eines Straßennetzes für Radfahrer stößt beim Senat auf offene Ohren. Überall dort, wo es das Radfahren sicherer mache und den Verkehr entlaste, seien Fahrradstraßen vorstellbar, sagt Petra Rohland, Sprecherin von Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD).

Das sieht Jörg Becker vom ADAC Berlin-Brandenburg ebenso. Fahrradstraßen seien sinnvoll wie das Beispiel an der Linienstraße in Mitte zeige. "Es war die erste in Berlin. Sinn und Zweck ist es, die Torstraße vom Radverkehr zu entlasten, vor allem weil es dort keinen Radweg gibt." Im Gegensatz zu Spielstraßen ist in Fahrradstraßen der Durchgangsverkehr verboten, Anliegerverkehr kann aber durch Zusatzschilder erlaubt werden.

Becker kann sich solche Radfahrstraßen an vielen Stellen in Berlin vorstellen, ein Radstraßennetz könne in alle Himmelrichtungen entwickelt werden. Vor allem parallel zu den großen Ausfallstraßen würden Fahrradstraßen mit dazu beitragen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und das Konfliktpotenzial zwischen Auto- und Radfahrern zu reduzieren. "In vielen kleineren Städten in Westdeutschland wird das bereits mit guten Erfahrungen praktiziert", sagt der ADAC-Verkehrsexperte.

Radverkehr auf Nebenstraßen verlagert

Durch die Verlagerung des Radverkehrs in die Nebenstraßen werde die Leistungsfähigkeit der größeren Straße erhalten. Der Nebeneffekt von Fahrradstraßen sei nämlich, dass der Autoverkehr auf den Parallelstraßen flüssiger werde. Radfahrer können sich zudem über eine weitere Neuerung freuen. Sie bekommen links von den Rechtsabbiegern eine eigene Spur zum Geradeausfahren. Rechtsabbiegende Laster, die Radfahrer im toten Winkel des Außenspiegels oft übersehen, sind so weniger gefährlich. Von 14 Radfahrern, die im vergangenen Jahr im Verkehr ums Leben kamen, waren fünf von abbiegenden Fahrzeugen erfasst worden. Bei jeder Kreuzung, die umgebaut werden soll, werde geprüft, ob Platz für die Markierung ist, sagte Heribert Guggenthaler von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. In Mitte gibt es die Markierung bereits auf der Holzmarktstraße sowie in Kreuzberg am Marheinekeplatz.

Jugendstadtrat Reinhard Naumann (SPD) begrüßt ein Fahrradstraßennetz. Er habe viele Hinweise von Kindern, dass die Verkehrssituation für sie beschwerlich sei. Fahrradstraßen seien gerade für junge Familien in der Innenstadt erstrebenswert.

Ein anderer Antrag hatte bei aller Aufgeschlossenheit fürs Radeln allerdings keine Chance in der BVV. Die FDP wollte, dass das kostenlose Parken auf bezirkseigenen Parkflächen der Rathäuser für Bezirksverordnete eingestellt wird. "Die Sonderprivilegien für uns selbst gehören abgeschafft", forderte Marescha Rufert. Auch Bezirksverordnete sollten eine Parkgebühr zahlen. Doch von der Grünen-Bezirksverordneten Ruth Vatter hieß es dazu nur: "Zu viel Verwaltungsaufwand, kümmern wir uns nicht weiter um uns selbst, sondern um die Bürger."