Einmaliges Projekt für Hochbegabte in Wedding

Eine Grundschule und ein Gymnasium im Wedding haben jetzt ein in Berlin einmaliges Projekt für Hochbegabte gestartet.

Eine Grundschule und ein Gymnasium im Wedding haben jetzt ein in Berlin einmaliges Projekt für Hochbegabte gestartet. Der zwischen der Anna-Lindh-Grundschule und dem Lessing-Gymnasium geschlossene Vertrag besiegelt, dass künftig die "Superschüler" in derselben Gruppe vom Gymnasium übernommen werden. Bindungen, Freundschaften und Expertenwissen sollen erhalten, die sonst oft befürchtete Vereinzelung und soziale Isolation von Hochbegabten soll verhindert werden. Schulrat Wolfgang Köpnick sagte: "Wir müssen die Strukturen den Kindern anpassen, nicht umgekehrt."

Der Rektor des Lessing-Gymnasiums, Michael Wüstenberg, führt bereits weitere Vorgespräche zu Kooperationen mit anderen Grundschulen im sozialen Brennpunktgebiet Wedding.

Das Fundament des Experiments im Wedding legte die Anna-Lindh-Grundschule (750 Schüler). Schulleiter Thomas Leeb berichtete als Gast in der Aula des Lessing-Gymnasiums (740 Schüler) von den Anfängen. "Das erste hochbegabte Kind erkannten wir vor gut zehn Jahren in einem Schüler, der aus Russland zu uns kam." Der Sechstklässler reagierte aber "mit Schweigen und totaler Verweigerung". Ganz nebenbei beschäftigte er sich mit Atomphysik, wie sich herausstellte. Wenig später kamen zwei weitere Hochbegabte in die Klasse. Die Schulleitung beschloss: Die Kinder müssen zeigen dürfen, was sie können, und begründete ein damals völlig neues Konzept. Ein Drittel Hochbegabter wurden mit zwei Drittel "gewöhnlicher" Schüler unterrichtet.

Parallel wurden immer mehr Hochbegabte entdeckt. Schulpsychologin Claudia Laube berichtete: "Es begann immer früher. Der im Vorjahr mit 16 jüngste Berliner Abiturient fiel im Kindergarten 1997 erstmals auf." Er sei bemüht gewesen, seinen fünfjährigen Altersgenossen die Geheimnisse von Wurzel- und Hochrechnungen beizubringen.

Nach solchen Erfahrungen bezeichnet Laube "das intellektuelle Potenzial vieler Schüler als wertvollste Ressource unseres Landes". Schulrat Köpnick sieht hier auch keinen Widerspruch zu den nach wie vor bestehenden Bildungsproblemen in Regionen wie dem Wedding. Im Gegenteil. "Gerade weil wir die Schwachen mehr als je zuvor fördern müssen, müssen wir uns auch um die Begabten kümmern." Dafür sei eine völlig neue Form des Unterrichts nötig. Gefragt sei nicht mehr die reine Menge an Wissensvermittlung sondern die "Moderation von Wissen".

Rektor Thomas Leeb sagt zu den veränderten Ansprüchen an die Lehrer: "Außergewöhnliche Kinder brauchen außergewöhnliche Pädagogen, die mit Herzblut weit über ihren Dienstvertrag hinaus dabei sind." dpa/flo