Hochfliegende Pläne der Maharishi-Stiftung

| Lesedauer: 5 Minuten
Brigitte Schmiemann

Foto: elb/tm_sv / Verwendung weltweit

Eingeworfene Fenster, Schutthalden und zerschnittene Planen der Radartürme prägen das Bild auf Berlins höchstem Trümmerberg.

Eingeworfene Fenster, Schutthalden und zerschnittene Planen der Radartürme prägen das Bild auf Berlins höchstem Trümmerberg. Die einstige Abhörstation der Amerikaner und Briten ist eingezäunt und wird sporadisch von Wachleuten kontrolliert. Doch noch immer gibt es dort Vandalismus, auch wenn die Zerstörungen nicht mehr so massiv sind wie in der Vergangenheit. Für die Zukunft des Geländes indes reifen neue Pläne. Nachdem sich das Vorhaben der Kölner Investorengemeinschaft Teufelsberg KG (IGTB), auf der Kuppe Luxus-Wohnungen und ein Hotel zu errichten, in Luft aufgelöst hatte, und das Baurecht 2005 erloschen ist, gibt es jetzt wieder Bauabsichten: Die Maharishi-Weltfriedens-Stiftung will, wie berichtet, auf dem Plateau eine Universität errichten. Noch in dieser Woche soll der Bauantrag beim Bezirksamt eingereicht werden.

Das rund fünf Hektar große Grundstück in 115 Metern Höhe mitten im Grunewald hat die Stiftung nach eigener Auskunft vom Voreigentümer IGTB kürzlich erworben - unter dem Vorbehalt der Baugenehmigung.

Lehrstätte für 1000 Studenten

Wie Meditationsguru Raja (Fürst) Emanuel Schiffgens sagte, stammen die Baupläne von Eike Hartmann. Der Architekt ist Mitglied der Stiftung und hat einen 50 Meter hohen "Turm der Unbesiegbarkeit" entworfen. Insgesamt werde die Anlage 24 000 Quadratmeter Nutzfläche bieten. 1000 Studenten sollen sich hier laut Schiffgens der Transzendentalen Meditation widmen, von Professoren aus der ganzen Welt unterrichtet werden und yogisches Fliegen erlernen. Durch Letzteres, so die Heilslehre der Organisation, werde das kollektive Bewusstsein positiv gestärkt. Sogar auf die Wirtschaft werde es günstige Effekte geben, wenn der Teufelsberg Heimstätte von 1000 Maharishi-Anhängern werde, verspricht Schiffgens.

Wie berichtet, hatten der Hollywood-Regisseur David Lynch, Schiffgens und Anhänger der Organisation im vergangenen November in einer nächtlichen Aktion auf dem Teufelsberg bereits den Grundstein zu dem Bauvorhaben gelegt. "Wir saßen vorher in der Präsidentensuite im Adlon. David Lynch hatte am Tag zuvor in einem Stadtpark in Wien den Grundstein für eine unserer Universitäten gelegt und fragte, wo er ihn denn in Berlin legen könne", berichtet Schiffgens. Da sei das zum Verkauf stehende Grundstück auf dem Teufelsberg gerade recht gekommen.

Lynch und Schiffgens gehören zur Gruppe um den Maharishi Mahesh Yogi, zu dem einst die Beatles pilgerten und der seit 15 Jahren in Holland lebt. Er wird von den Jüngern der Stiftung als führender Wissenschaftler im Bereich der Bewusstseinsforschung und -entfaltung und als der größte Lehrer der Gegenwart angesehen. Kritiker hingegen wie der Berliner Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche, Thomas Gandow, stufen die Organisation als demokratiefeindliche Guru-Sekte ein. Schiffgens weist den Vorwurf zurück: "Wir sind eine gemeinnützige Einrichtung und haben einen wissenschaftlichen Anspruch."

Unabhängig davon dürfte die Realisierung des Bauprojekts schwierig werden. Planungsrechtlich handelt es sich bei dem Areal um Wald. "Und es gibt nicht den Hauch einer Notwendigkeit, für solch eine Einrichtung Baurecht zu schaffen", sagte Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU).

Das sieht Schiffgens anders. Für "privilegierte Baumaßnahmen" wie diese Universität halte das Baurecht Ausnahmen bereit. Schließlich würden mit der Universität nationale, übergeordnete Interessen berührt. Notfalls werde er mit dem Regierenden Bürgermeister sprechen, damit er Einfluss nimmt. Schiffgens (58), der seit 40 Jahren Meditationslehrer ist und seinen "Amtssitz" in Hannover hat, kann sich den Turm auch als Denkmal für die Einheit vorstellen. Schließlich habe der Bundestagspräsident als Denkmal-Standort zur Erinnerung an die friedliche Revolution von 1989 in Ostdeutschland Berlin vorgeschlagen, argumentiert er.

Umweltschützer lehnen Bebauung ab

Für Umweltschützer wäre die Bebauung des Teufelsbergs auch mit einem Denkmal tabu. Sie streben vielmehr den Rückbau der Anlagen und die Renaturierung des Geländes an. "Dazu müsste das Land das Grundstück aber zurückkaufen. Ansonsten wird es immer wieder Ärger geben, denn kein Investor würde hier Wald und Wiesen für die Öffentlichkeit herstellen", sagte Andreas Meißner, Geschäftsführer des Naturschutzzentrums Ökowerk Berlin, das am Fuße des Teufelsbergs seinen Sitz hat. Die Ruine der einstigen Abhörstation mitten im Landschaftsschutzgebiet werde zudem immer ein Risiko darstellen.

Doch der Rückkauf des Geländes durch die öffentliche Hand würde teuer. Nach Auskunft von Experten soll der Rückkaufwert zwei Drittel des ehemaligen Verkaufspreises betragen. Die Investorengemeinschaft hatte das Gelände 1996 für 2,6 Millionen Euro vom Land Berlin erworben mit der Zusicherung, dort bis 2001 Lofts, Gastronomie, ein Hotel und ein Spionage-Museum zu realisieren. Nachdem die Fertigstellungsfrist bereits zum zweiten Mal verstrichen war, hatte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) im September 2004 entschieden, dass der Vertrag mit dem Investor aufgelöst werden sollte. Langfristiges Ziel des Bezirks und des Senats für das Waldgelände in Privatbesitz ist eine Erholungslandschaft.

Die Frage allerdings, ob beabsichtigt sei, das Gelände zurückzukaufen, reichten die Ämter gestern wie eine heiße Kartoffel weiter. Während es beim Liegenschaftsfonds hieß, darüber entscheide der Bezirk, wurde dort wiederum die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als Adressat genannt. Dort verwies man an die Finanzverwaltung und den Liegenschaftsfonds.