Italiener wehren sich gegen Erpresser

Die groß angelegte Erpressungsaktion der drei mutmaßlichen Täter hatte für erhebliche Verunsicherung bei den italienischen Gastronomen in der City West und City Ost geführt.

Die groß angelegte Erpressungsaktion der drei mutmaßlichen Täter hatte für erhebliche Verunsicherung bei den italienischen Gastronomen in der City West und City Ost geführt. "Das waren die unruhigsten Weihnachten seit Jahren", so Laura Garavini, Initiatorin der Aktion "Mafia? Nein danke!" Das schnelle und konsequente Handeln der Polizei habe den italienischen Wirten in Berlin gezeigt, dass sie beschützt werden. Nach dem sechsfachen Mafiamord in Duisburg hatten sich verschiedene Italiener bundesweit zusammengetan, um sich einschleichenden Mafia-Strukturen entgegenzustellen. Ziel ist es, jeden Versuch von Schutzgelderpressung sofort der Polizei zu melden. "In einer beispiellosen Rebellion haben die Wirte in Berlin der Drohung nicht nachgegeben." 36 Betroffene hatten Anzeige erstattet.

Derzeit prüfen deutsche und italienische Behörden, ob der Römer Domenico S. (26), der staatenlose Palästinenser Sleimann A. (26) und der 63-jährige Luigi S. aus Neapel Kontakte zur italienischen Mafia haben. Zwar gebe es Vorbelastungen wie Verfahren wegen Körperverletzungen und Drogenbesitzes, echte Verbindungen zur Camorra sind bislang aber nicht belegt. Gleichwohl hätten die Festgenommen Mafia-Methoden angewandt. So wurde am 26. Dezember ein Anschlag auf ein Lokal in Wilmersdorf verübt. "Die Scheiben wurden eingeworfen und Vorhänge mit Brandbeschleunigern angesteckt", so Kriminaloberrat Axel Bédé. "Das Restaurant befindet sich in einem Mehrfamilienhaus. Hätte sich das Feuer ausgebrannt, hätte es Tote und Verletzte geben können."

Nachdem Mitte Dezember die ersten Anzeigen bei der Polizei eingingen, lief ein Großeinsatz an, der schließlich in der Silvesternacht endete: Weil einer der 26-Jährigen von Observationskräften mit einer Pistole gesehen und eine bevorstehende Straftat vermutet wurde, nahmen Elite-Polizisten die beiden 26-Jährigen gegen 21 Uhr an der Kantstraße fest. Kurz darauf klickten bei Luigi S. an der Augsburger Straße die Handschellen. Fünf Wohnungen wurden durchsucht, die jungen Männer erhielten Haftbefehle.

Einer der Erpressten ist der 50-jährige Wirt Pino Bianco. "Kurz vor Weihnachten gaben zwei Männer den Erpresserbrief am Tresen ab und sagten, sie würden sich bald wieder melden", sagte der Wirt, dem die "Trattoria à Muntagnola" an der Schöneberger Fuggerstraße gehört. Überrascht war er von dem angeblichen Mafia-Besuch aber nicht. Unter den italienischen Wirten in Berlin gibt es ein enges Kommunikationssystem - Neuigkeiten und Warnungen werden sofort ausgetauscht. Da die Männer ihre Briefe bereits in anderen Lokalen abgegeben hatten, war Pino Bianco klar, dass es nur eine Frage der Zeit sein musste, wann die Erpresser auch bei ihm im Restaurant auftauchen würden. "Mit dieser Aktion haben die Typen mir und meiner Familie das Weihnachtsfest verdorben." Er habe umgehend die Polizei informiert.

Mafiastrukturen und kriminelle Clans gehören zur organisierten Kriminalität, die sich in Berlin nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau bewegt. Die Polizei trifft bei ihren Ermittlungen auf diesem Gebiet vorwiegend auf Autoschieber, Menschenhändler, Rauschgiftschmuggler und Betrüger, die im großen Stil agieren. Außerdem ist das Rotlichtmilieu fest in der Hand dieser Straftäter. Während die italienische Mafia angeblich nicht in der Hauptstadt Fuß gefasst hat - zumindest lassen sich laut Auskunft der Sicherheitsbehörden nur marginale Querverbindungen feststellen - verfolgen die Berliner Fachdienststellen seit Jahrzehnten die verdächtigen Clans und Gruppen mit Angehörigen anderer Nationalitäten wie Ex-Jugoslawen, Russen, Vietnamesen, Polen, Türken und Albanern. Aber auch Deutsche spielen laut Statistik bei der organisierten Kriminalität eine gewichtige Rolle - wobei offiziell nicht registriert wird, ob der deutsche Tatverdächtige möglicherweise einen Migrationshintergrund hat. Wenn allerdings gebürtige deutsche Täter in der Öffentlichkeit bekannt werden, dann oft in Zusammenhang mit der sogenannten Rockerkriminalität. Die Geschäftsinteressen von Motorradbanden liegen im Drogen-, Waffen- und Menschenhandel sowie im Bereich der Schutzgelderpressung. Geschickt wird dabei versucht, neuralgische Positionen an Türen von Diskotheken oder Bordellen zu besetzen. In Bezug auf die organisierte Kriminalität sind Rockergruppen weniger professionell organisiert als mafiöse Verbindungen. Ein Ermittler: "Die italienische oder russische Mafia arbeitet lieber im Stillen, ohne viel Aufsehen, ohne Erkennungsmerkmale."