Land zahlt fast alle Abtreibungen

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Florentine Anders

Neun von zehn Schwangerschaftsabbrüchen in Berlin werden aus der Landeskasse finanziert. Im vergangenen Jahr kosteten sie den Steuerzahler 3,5 Millionen Euro, bis Ende Juli diesen Jahres waren es schon knapp zwei Millionen Euro. Insgesamt wurden nach Angaben der Senatsgesundheitsverwaltung die Kosten von 90 Prozent aller nach der Beratungsregelung vorgenommenen Abtreibungen vom Land bezahlt. Das geht aus der Antwort auf eine mündliche Anfrage des CDU-Abgeordneten Frank Henkel hervor.

Diese Zahl sei erschreckend, meint Henkel, denn die Kostenübernahme aus der Staatskasse solle laut Gesetz die Ausnahme und nicht der Regelfall sein. Nach Ansicht des parlamentarischen Geschäftsführers der CDU würden die Anträge offenbar zu großzügig bewilligt und die Angaben der Frauen nicht genügend überprüft.

"Wir liegen mit dem Prozentsatz im bundesweiten Durchschnitt", hält Roswitha Steinbrenner, Sprecherin von Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner (PDS), dagegen. Viele Abbrüche werden laut Statistik bei Frauen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren vorgenommen.

Bis Ende August dieses Jahres wurden in Berlin insgesamt 8259 Schwangerschaftsunterbrechungen registriert, davon gehörten 2548 Schwangere zu der genannten Altersgruppe. Der hohe Prozentsatz der Kostenübernahme zeige unter anderem, dass die meisten Frauen in diesem Alter finanziell kaum über ein eigenes Einkommen verfügen. Jugendarbeitslosigkeit, längere Ausbildungs- und Studienzeiten würden den Trend noch verstärken, sagt Roswitha Steinbrenner.

Der Großteil der Frauen, die abtreiben lassen, liegt mit dem Einkommen unter der Grenze von 961 Euro - in diesen Fällen übernimmt das Land Berlin die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch.

Was die durchschnittliche Zahl der Schwangerschaftsabbrüche betrifft, liegt Berlin seit Jahren an der Spitze. Ein in den Beratungsstellen häufig genannter Grund ist laut Frauenbericht der Senatsverwaltung die unklare Perspektive, insbesondere in finanzieller Hinsicht.

Diese Tendenz kann Petra Winkler von der Beratungsstelle Pro Familia bestätigen. In allen Fällen, in denen sich Frauen gegen das Kind entscheiden, seien die Gründe komplex, aber immer häufiger sei Armut oder die Angst davor ein Faktor. Viele Frauen würden sich zuerst über die möglichen staatlichen Unterstützungen erkundigen, die ihnen mit einem Kind zustehen würden. Auf die Antwort folge dann aber meist die große Enttäuschung.