Bildung

Studie: Hohe Arbeitslosigkeit unter Türken

Nach der Veröffentlichung einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zu Migranten in Berlin hat die CDU dem Senat Versagen in der Integrationspolitik vorgeworfen. "Der Senat hat es bisher nicht geschafft, die hier lebenden Migranten in ihrer Mehrzahl so zu qualifizieren, dass sie den Weg in den ersten Arbeitsmarkt finden können", sagte der integrationspolitische Sprecher der CDU, Kurt Wansner.

Er forderte verpflichtende Integrationskurse für Migranten, die nicht Deutsch sprechen und die Durchsetzung der Schulpflicht.

Der Integrationsbeauftragte des Senats, Günter Piening, wies die Kritik zurück. "Der Senat ist mit seinem Ansatz, die Integration ins Berufsleben zu fördern, auf dem richtigen Weg." Er verwies auf neuere Daten, nach denen die Arbeitslosenquote der Nichtdeutschen in Berlin jetzt auf 37 Prozent gesunken ist. Die Studie des DIW, die das Institut selbst erarbeitet hat, hatte Datenmaterial aus 2005 als Grundlage. Trotzdem zeige die Studie, wo in Berlin die Schwerpunkte der Integrationspolitik liegen sollten und liegen, sagte Piening. Besonders betroffen von Arbeitslosigkeit unter Ausländern sind junge Türken. 40 Prozent hatten keinen Job. Bei den Migranten mit türkischem Hintergrund, von denen es in Berlin 180 000 gibt, waren laut Studie 75,3 Prozent ohne Berufsabschluss. Eine Lehre oder einen Fachschulabschluss hatten nur 21,6 Prozent. Nur 3,1 Prozent studierten. Das wirkt sich auf die berufliche Tätigkeit aus. "Dass ein großer Teil der Migranten nur einfache Tätigkeiten ausübt, hängt damit zusammen, dass viele von ihnen keine Berufsausbildung haben", heißt es in der Studie. Karl Brenke, wissenschaftlicher Referent im DIW, nannte die Zahlen "dramatisch". Unter den Ausländern beanspruche die zweite und dritte Generation der Migranten mehr Hilfe durch staatliche Leistungen als die erste. "Unter den Personen mit Wurzeln in der Türkei stützt sogar nur knapp die Hälfte ihren Lebensunterhalt hauptsächlich auf Erwerbseinkommen", so das DIW.

Probleme der Zukunft

Das Problem wird in Zukunft noch größer werden. 43 Prozent der Kinder unter zehn Jahren hatten in Berlin einen Migrationshintergrund, stammten also aus Familien, in denen die Eltern oder Großeltern aus dem Ausland nach Deutschland gekommen sind. Betrachtet man nur den Westteil der Stadt lag die Quote bei 53 Prozent. "Dieser Wert ist höher als in den meisten anderen großen Städten der Bundesrepublik", schreibt das DIW. Bei den 10- bis 19-Jährigen lag die Quote der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei 35 Prozent. Dagegen machte der Anteil der Migranten bei den Über-65-Jährigen nur 6,7 Prozent an der Bevölkerung aus.

Wegen der insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Lage träten die ökonomischen und sozialen Probleme in Berlin besonders zu Tage, schreibt das DIW, das weitere Anstrengungen im schulischen und vorschulischen Bereich fordert. Mit der zukünftig beitragsfreien Kita sei der Senat auf dem richtigen Weg, um bildungsferne Schichten bei den Migranten zu erreichen. Allerdings müssten die Anstrengungen gerade im Bildungsbereich fortgesetzt werden.