Berliner Parteifreunde solidarisch mit Schill

Weitermachen. Gerade jetzt. Wir sind die Zukunft, nicht die verkrusteten Altparteien. Die Grünen haben 15 Jahre gebraucht. Eine Partei hängt nicht an einer Person: Mit diesen Parolen reagieren Funktionäre der Schill-Partei auf Fragen nach der Zukunft der offiziell Partei Rechtsstaatlicher Offensive (PRO) genannten Gruppierung. Ein "bedauerlicher Eklat" sei der Rauswurf des Gründervaters aus dem Hamburger Senat, sagt die Berliner Parteichefin Anke Soltkahn, die einst für die CDU im Abgeordnetenhaus saß.

Der Berliner Landesverband hat sich neun Monate nach seiner Gründung etabliert. Zwei Tage nach dem Tiefschlag an der Elbe eröffnete die 300 Mitglieder starke Gliederung diese Woche mit Volksmusik und Schmalzstullen eine schmucke Geschäftsstelle in Schmargendorf mit Blick auf die Autobahn. Gestern werkelte der Landesparteitag im Rathaus Wedding an einem Berliner Programm.

Aber über allem schwebt die Frage: Was wird ohne Schill? Oder auch: Was wird mit Schill? Chefs mehrerer Landesverbände, die zur Eröffnung des Landesbüros gekommen waren, sprachen wie Anke Soltkahn für den ehemaligen "Richter Gnadenlos". "Nur über meine Leiche" werde es ein Ausschlussverfahren gegen Schill geben, sagte der Landeschef von Nordrhein-Westfalen. Die 30 anwesenden Mitglieder jubelten, als einer sagte, man glaube eher Herrn Schill als seinem Ex-Chef Ole von Beust, der Schill des Erpressungsversuches bezichtigt und entlassen hatte. Schill müsse weiter eine wichtige Rolle in der Partei spielen.

Andere Schillianer sind vorsichtiger. "Wir haben bewiesen, dass es auch ohne Schill geht", sagt der Landeschef von Schleswig-Holstein. Schills Entgleisung sei "nicht so berauschend". Er sollte sich zurückziehen.

Der Stress um die Galionsfigur hat die 300 Berliner PRO-Mitglieder jedoch nicht alle zum Gedankenaustausch getrieben. Zum Parteitag im Rathaus Wedding erschienen nur 47 Mitglieder. Sie debattierten lange darüber, inwieweit hart formulierte Anträge zur Ausländerpolitik entschärft werden sollten und einigten sich schließlich mit Mehrheit auf eine Solidaritätsresolution für Ronald Schill.